Dienstag, 17. Mai 2016

100 km Marsch Organisationstips

100km Märsche sind nun gerade Mode und es gibt Veranstaltungen wie den Mammutmarsch die sehr schnell gewachtsen sind und wo in 2016 die größte anzunehmende Panne, ein Marschabbruch mitten in der Veranstaltung bei über 2000 Teilnehmer eingetreten ist.

Im Schatten einiger weniger größerer 100km Märsche (wie der Horizontale in Jena oder dem Hollenmarsch)  gibt es auch ganz kleine 100 Hunderter mit einer Szene von 100km Wanderern die diese Strecke oft in kleinen Gruppen mit wenige Aufwand und Kosten organisieren. So ist ein Startpreis von 5 Euro durchaus nicht unüblich.

Bei den vielen interessierten jungen Menschen die nun vom 100km Fieber befallen sind und sich an den großen Veranstaltungen orientieren möchte ich dazu motivieren doch einfach selbst in kleiner Gruppe solche Märsche zu organisieren und durchzuführen. Der Aufwand ist wirklich nicht so groß, die Kosten sind klein, das Gepäck leicht,  wenn man ein paar Sachen beachtet.

Nach mehr als 30 Märschen über 100km oder mehr und nach einigen selbst organisierten 100km Märschen (Hamburger Hunderter, Hamburger Perlenwanderung) möchte ich meine Erfahrung gern weitergeben. Dank auch besonders an Wolfgang Pagel vom Wandersportverein Rotation mit dem ich viele Hunderter gegangen bin und von dem ich viel organisatiorischen Grundlagen übernommen habe und jetzt weitergeben möchte.

Planung Art der Strecke

Überlege dir eine Strecke und entscheide dich. Geht es von A nach B oder gibt es eine große Schleife, oder sind es mehrere Schleifen?

Wenn von A nach B in einer Richtung:

Überlege dir einen Start und Zielpunkt der auch öffentlich gut erreichbar ist und wo es in der Nähe auch eine Gastronomische Infrastruktur oder Einkaufsmöglichkeiten gibt.
Am Besten also ein Bahnhof...

Wenn eine große Schleife:

Gute Idee, vor allem wenn Start und Ziel eine gute Infrasteruktur haben und wenn es vielleicht Umziehmöglichkeiten gibt oder man gar die Sachen wie Wechselklamotten usw dort lasssen kann. Super auch wenn man nach dem Marsch dort noch etwas essen und trinken kann und wenn man gut von dort weg kommt. Kann zB die Wohnung eines der Teilnehmer sein...

Beim Hamburger Hunderter ist es meist eine große Schleife aber mit unterschiedlichem Start und Zietl  gewesen und in 2015 dann eine große Schleife mit Start und Ziel bei mir

Wenn mehrere kleine Schleifen:

Super Idee wenn der Marsch auch für Leute gedacht ist, die einmal ihre Grenzen austesten wollen. Nach jeder Schleife kann man dann gut aussteigen. bewährt hat es sich Schleifen von ca 20km in der Nacht und später dann ca 10 km  zu machen. Das sind gute Intervalle um dann immer eine kleine Pause zu machen und dann auch aus oder auch einsteigen zu können. Super wenn es dann vor Ort immer Verpfegung zB von den Liebsten daheim gibt und alles was man so braucht dort ist. So braucht man praktisch kam mehr als eine kleine Trinkflasche mitnehmen. Diese Prinzip habe ich z.B bei der Hamburger Perlenwanderung angewendet

Startzeit / Pausen / Rast / Etappen

Es  hat sich folgenes Schema bewährt:

Start

Vorzugsweise am Freitag Abend 19 oder 20 Uhr.

Vorteil: Man braucht den Tag nicht zwangläufig frei machen. Teilnehmer können noch am Nachmittag anreisen. Der Marsch endet Samstag am  frühen Abend (18:00 zB) Weiter angereiste kommen dann noch mit dem Zug oder Auto nach Hause und Sonntag kann regeneriert werden.

Erste Pause

Bewährt hat sich die erste Etappe etwas länger zu machen wenn alle noch schön fit sind und es auch noch etwas hell ist (im Sommer zumindest)

Gut finde ich ca. 20km in  so ca. 3,5h und dann folgt eine länger schöne Einkehr entweder privat oder ein einer Gaststätte wo man um 23 Uhr noch immer etwas warmes zu essen bekommt. Das sollte man vorher erfragen und erkunden. Diese Pause darf dann bis zu 1 h lang sein um Kraft zu schöpfen für die relativ lange Nacht.

Nachtpause.

Optimal ist es wenn ein netter Mensch sich wirklich mitten in der Nacht bereit erklärt sich um 3 Uhr irendwo in den Wald zu stellen und aus dem Kofferraum Butterkuchen und heißen Tee und Kaffe anbieten kann. Wenn man so was nicht hat heit es halt Rucksackverpflegung in der Nacht und nur kurze Pause zwischendurch bis zum frühen Frühstück

Erste Bäckerrast.

Das Ende der langen Nacht ist ein Bäcker bei dem man so früh wie möglich, also zB um 6:00 schon Kaffe und Brötchen kriegt. Die Nacht und die Hälfte der Strecke also 50km sollten dann geschafft sein. Dauer ca 40 min reichen hier

Weitere Tagesrasten dann in etwas kürzeren Abständen von 10 oder 15 km Dauer dann nicht mehr so lange zB 15 oder 20 min. Gern auch wieder Bäcker oder ähnliches. Gaststätten mit Gruppen dauern erfahrunggemäß etwas lang unter 40 min kommt man dann meist nicht mehr raus.

Bei diesem Pausenschema kommt man dann auf ca. 22h für so einen Hunderter und kann das Ziel so gegen 18:00 erreichen.

Wandergeschwindigkeit

Wandergeschwindigkeit und Pausen sind natürlich auch individuell. Auch in einer kleine Gruppe sollte das Leistungsniveau in etwas stimmen. Bewährt hat sich ein Anfangstempo zwischen 5,7 und 6kmh
Wer die 100km durchziehen möchte sollte das Tempo auf den ersten 20km ohne Probleme schaffen können. Dann klappt auch der Rest.

Geht immer bei der Planung davon aus, dass sich das Marschtempo kontinuierlich reduziert. Rechnet auf den letzten 20-30km nicht mit mehr als 5km/h

Ich mache mir vorher immer einen Zeitplan mit  Marschzeiten und Pausenzeiten um unterwegs den Überblick zu haben und auch um die Raststellen zeitlich im Rahmen zu erreichen sowie die Zielzeit einzuhalten damit diejenigen die noch weiter reisen wollen auch noch am Samstag Abend weg kommen.

Planungsmittel

Ich verwende GPSies zur Planung und Dokumentation und stelle den Track der Wanderung vorher den Teilnehmern zur Verfügung. Außerdem drucke ich noch einen kleinen Streckenplan zur Orientierung aus sowie die wesentlichen Daten des Zeitplans. Wanderstrecke und Geschwindigkeit werden vorher veröffentlicht und die Voraussetzungen so einen Marsch mitmachen zu können (in der Gruppe sind damit klar und transparent) Wer mitkommen will muß das Tempo halten können und sich an die Pausen anpassen oder es heißt leider aussteigen.

Haftung usw.

Ich entscheide dabei als Wanderleiter ob jemand unter Umständen aufhörten muss. Eine Haftung übernehme ich nicht. Das Ganze ist eine private Veranstltung jeder geht auf sein Risiko

Gruppengröße

Es hat sich bewährt bei einer längeren Tour die nicht in kleinen Schleifen läuft und in der Gruppe stattfindet nicht viel mehr als 10 Wanderer zu sein. Dann klappt es auch mit den Pausen und Einkehrzeiten. Bei Wanderungen mit kleinen Schleifen und verschiedenen Etappen wo man ein und Aussteigen kann wie bei der Perlenwanderung können es gern auch mehr Wanderer sein

Nice to have

Nett ist es wenn es vom Veranstalter eine kleine Urkunde gibt.
Eine gute Idee ist es bei einer Wanderung mit kleinen Schleifen und einem privaten Stützpunkt ein Büffet zu machen wo jeder einfach was mitbringt zu essen. Super weil dann dort ja auch immer ein Klo ist und man sich umziehen kann.

Ich hoffe ich konnte mit diesen Tips zur Planung einer eigenen 100km Wanderung etwas beitragen und freue mich über Rückmeldungen und Anregungen.




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