Mittwoch, 29. April 2015

Seilersee 2015, ist ja egal, Hauptsache, man bewegt sich an der frischen Luft…

Ja, man kann auch einfach nur walken und wandern. So mal 24 Stunden lang. Ist ja gesund, man bewegt sich und hat frische Luft. Dieser gönnerhafte Spruch von einem der netten Ultralaufhelden könnte auch unser Motto für den Seilerseelauf 2015 gewesen sein.

Der Seilersee
„Unser“ meint in diesem Fall Daniela Mohr und mich. Zusammen haben wir die 24 Stunden mehr oder weniger im Gleichschritt verbracht. Aber „ganz egal“ war es nun auch wieder nicht, denn Daniela und ihre Freundin Verena waren in einer Mission unterwegs. Die hieß „Meilen für Fellnasen“. Es ging den Beiden darum, am Seilersee möglichst viele Kilometer zu laufen oder zu wandern. Sie hatten Sponsoren, die ihnen für jeden zurückgelegten Kilometer einen gewissen Betrag spendeten. Als Wanderbegleitung habe ich diese Aktion gern unterstützt, bzw. unterstütze sie jetzt noch, in dem ich darum bitte, bei Gefallen für das Lesen dieses Blogbeitrags für die Aktion zu spenden, denn die Beiden haben echt gelitten, für den guten Zweck.

Informationen und Spendenkonto zum Projekt

Aber nun erstmal der Bericht…

2012 war ich ja schon einmal bei diesem „Familientreff am Seilersee“.
Hier hatte ich damals darüber berichtet
Wie das mit Familientreffen so ist: Man sieht sich länger nicht und freut sich dann doch, Alle mal wieder zu sehen. Wenn es dann alles noch so harmonisch und gut organisiert ist, wie bei der Veranstaltung am Seilersee, umso besser.

Der Lauf geht am Samstagmittag los, und weil es von Hamburg nach Iserlohn doch recht weit ist, reiste ich schon am Freitagabend an. Die Nacht verbrachte ich als Couchsurfer bei Gastgeber Stefan in Altena.

Blick vom Balkon auf die Burg
Gastgeber Stefan und die Pizza
Ein tolles Haus, jede Menge Gitarren, eine super leckere Pizza, Blick auf die Burg, nette Unterhaltung. Aber das ist eine andere Geschichte, ich kann hier nur das Couchsurfen als Alternative zum einsamen Hotel- oder Pensionszimmern wärmstens empfehlen. Bisher habe ich da wirklich gute Erfahrungen gemacht. Mein Gastgeber brachte mich am Samstagvormittag dann sogar noch mit dem Auto nach Iserlohn zum Start. Vielen Dank noch mal!

Mein Trainerbänkchen
Und dann ging es los. Rumlaufen, rumgucken, Trainerbänkchen belegen. Dann sah ich zum ersten Mal Daniela live. Virtuell kennen wir uns ja schon lange. Zu Anfang unserer Lauf- und Walkingkarrieren, vor mehr als 10 Jahren, chatteten wir regemäßig im Forum „laufen-aktuell.de“ (das wurde von Runnersworld übernommen). Ich war sehr gespannt auf dieses Treffen mit so langer Vorlaufzeit und es war noch netter als gedacht (oder auch: „Es hätte viel scheißiger sein können“, wie wir später feststellten).
Daniela und Verena, die beiden Tierfreunde, hatten Josh dabei, der Sie tatkräftig vom Auto und Klappstuhl versorgen würde. 

Tierschützer im Anmarsch
Daniela wollte und sollte „wegen Knie“ besser wandern als laufen und gesellte sich als Wandersfrau vom Start an zu mir. Verena versuchte - ohne große Lauferfahrung auf langen Strecken – von Beginn an zu laufen. Was tut man nicht alles für die Viecher.

Am Start war es nass und frisch aber die Stimmung war prima.





 Alle waren gut gelaunt und wir marschierten zackig am Ende des Feldes unsere ersten paar Runden mit unter 18 Minuten was einem Schnitt von über 6km/h entspricht - Inclusive der Trink- und Essenspausen, die wir wirklich nach fast jeder Runde einlegten.







 „Sachen essen“ ist nämlich gaaanz wichtig, finden wir beide. Daniela steht dabei mehr so auf „Sachen ohne Tier“, aber durchaus auch auf Kuchen mit bösem Weißmehl, Zucker usw. oder auch auf lustige Kombinationen wie Snickers, Weintraube und Olive. Auf jeden Fall war die Energiebilanz bei diesem Lauf nicht negativ. Dafür ist das Angebot einfach zu grandios. Es gibt eigentlich so ziemlich alles, was das Ultraläuferherz begehrt. Von Süß bis herzhaft, von Sportgetränk über Säfte, Cola, Fassbrause, Malzbier, Radler ohne Alk bis zu richtigem Bier, wenn es denn sein sollte… Einfach herrlich. Meine Theorie, dass es nicht nur um das Sammeln von Kilometern ginge, sondern auch darum möglichst viel und möglichst Unterschiedliches zu essen, ohne dass einem schlecht wird, hatte einer der Ultraläufer noch nie gehört. Er praktizierte das gegenteilige Model: Gar nichts essen und nur Wasser trinken. Ein anderer meinte, dass Bananen OK wären, wenn sie sehr lange im Mund blieben und die Inhaltsstoffe direkt von den Schleimhäuten statt vom Magen aufgenommen würden… Nun, jeder wie er mag. Wir probierten einfach „Sachen zum Essen“ und es ging uns in dieser Hinsicht bis zum Ende prima. 



Aber zwischen den Essenspausen mussten wir ja wandern. Immer schön im Kreis und immer schön im Gleichschritt, worauf eine ältere Zuschauerin, die bis in den späten Abend blieb, großen Wert legte. Nach den ersten Stunden wunderte sich Daniela über eine ca. 30-sekündige Redepause von mir, und ich suchte die Lutschbonbons wegen aufkommender Heiserkeit. Die Beine waren noch fit nur die Stimme verlor zu diesem Zeitpunkt etwas die Kraft. Danielas Definition dazu war: Du erzählst die ganze Zeit und denkst das wäre eine Unterhaltung. 

Doch dann nahm das Schicksal seinen Lauf. Verena kriegte mehr und mehr Probleme mit den Hüften und irgendwann ging es einfach nicht mehr mit dem Laufen. Aber richtig tolle Alternativen für die Nacht gab es auch wieder nicht, vor Allem weil Josh, ihr Support, inzwischen abgereist war. ….Bei Daniela kam irgendwann die erste Blase, die bald so schlimm wurde, dass die Sanitäter sich über einen Einsatz freuen konnten.


Die Santiäterstrategie war: Nicht aufstechen sondern zukleben und verbinden, damit keine bösen Keime aus dem Prinzessinnenschuh an die Wunde kommen. Zu blöd, dass noch 14 Stunden zu gehen waren. Da werden Blasen unter Pflastern schon mal größer... Und irgendwie und irgendwann platzen die auch auf. Und dann kommt vielleicht noch die eine oder andere Blase dazu… Eine davon verklebte ich später noch selbst mit einem Blasenpflaster. Aber davon wird Daniela in Ihrem Bericht sicher besser und schöner berichten. Der weitere Lauf war jedenfalls kein wirklicher Spaß für Daniela. Aber Aufgeben war aber keine Option. So wurden die Pausen zwar immer mal länger und die Rundenzeiten irgendwann ganz egal. 

Nach dem Marathon wurde erst mal schön Nudeln gegessen. Was Warmes im Bauch. Auch mal prima!


Im Laufe der Nacht gab es sogar eine längere Pause was die Dauerunterunterhaltung betraf. Zwischen 2 und 3 Uhr hörte ich beim Gehen ein paar Mantras. Daniela übte in der Zeit den Schmerz wegzuatmen, wegzuwandern oder sonst wie in Griff zu bekommen (Nutzt ja alles nix… Es gab dann auch diverse Vergleich die etwas mit Klärwärk zu tun hatten…). Auf jeden Fall wurden ihre Bewegungen nach dem Aufplatzen einzelner Blasen und kurzen, heftigen Schmerzphasen immer wieder mal gleichmäßiger und flüssiger, wenn auch langsam. Aber eben immer kontinuierlich. Nutzt ja alles nichts.
Nach jeder Runde gab es ja zumindest leckere Sachen zu essen und zu trinken. Manchmal auch ein Bänkchen am Heizlüfter und einmal ruhten uns auf zwei Campingstühlen aus und legten auch die Füße auf dem dazugehörenden Campingtisch hoch. 

herrlich mal die Füße hoch zu legen!
Ein Mitwanderer, dem Stühle und Tisch gehörten, fand das gar nicht lustig, und so kam es zur einzigen unerfreulichen Begegnung in dieser Nacht. Aber bei Familienfeiern kann man ja auch nicht immer mit jedem Gast…

Irgendwann zwitscherten die Vögel wieder lauter, die Sonne ging auf, und wir gingen und gingen immer noch. Nur die Steigungen wurden immer steiler und das Tempo wurde nicht schneller. Aber auch die Ultraläufer wurden langsamer und so mancher machte jetzt mit uns mit, beim Wandern um den See. Die 12-Stundenläufer hatten um 6 Uhr Feierabend. Unter anderem auch Vanessa, mit der ich vor drei Jahren am Seilersee unterwegs war. Sie ruhte noch etwas auf meinem Trainerbänkchen mit dem „Issnichmehrweit“ Transparent aus, bevor der erste Zug wieder fuhr. Ich teile meine Wohnstube da gerne. 

Ab 7 Uhr gab es Frühstück. Unser Plan war zunächst, die 90 km voll zu machen und dann zu Frühstücken. Aber die Aussicht auf Rührei (ich), und mal drinnen und warm zu sitzen und eine richtige Pause zu machen (Daniela) reizten doch mehr. Auch Verena war mit Josh zum Frühstück wieder da und das Frühstücksbüffet tat uns allen gut. 

Rührei zum Frühstück

Wir überlegten alle zusammen, ob wir wirklich den 24-Stunden-Lauf beenden müssten oder ob das nicht auch in 23 Stunden zu machen wäre. Wir könnten 100 km gut und mit einem fetten Zeitpolster schaffen, voraussichtlich sogar 1 Stunde vor Zielschluss. Katzenglück hin oder her: 100 km hört sich gut an, und die sollten es schon sein. Aber ob nun ein paar mehr km und somit auch Euros in der letzten Stunden dazu kommen oder nicht…. Die Vernunft sagte: Nö, muss nicht sein. In Ruhe duschen und Umziehen ist auch schön und Daniela ist eh jetzt eine Heldin und die Nr. 1 bei den Walkerinnen. Mir war es egal ob nun 100 km oder 110 km. Also 100 km werden gemacht, nutzt ja nichts.


Noch vier, drei, zwei, eine Runde…. Es wurde nicht leichter, aber es ging und ging und ging. Die Laune war auch besser als in der Nacht. Trotz der großen Schmerzen und bei großer Anstrengung kippte die Stimmung nie ins Nervige, Aggressive oder Unangenehme. Ich habe ja eh ein sonniges Gemüt aber nicht jeder kann damit umgehen vor allem wenn es hart wird. Mein tiefster Respekt vor Daniela, die nie wirklich murrte und knurrte. Egal ob langsam oder schnell, wie ein treuer Dackel blieb ich einfach bei ihr, und wenn die Signale kamen mal für etwas länger die Klappe zu halten, klappte das auch. Den Humor haben wir jedenfalls in der ganzen Zeit nie verloren.
 
Richtig zum Jubeln kamen wir beim Zieleinlauf gar nicht: es war einfach schön dass es nun auch mal rum war. Und ein bisschen müde wird man von der ganzen Latscherei doch auch. Jeder suchte seine Klamotten zusammen und noch vor der Siegerehrung trennten sich recht unspektakulär wieder unsere Wege, nach 23 zusammen gewanderten Stunden. 


Nach 100 km mal dumm gucken...

Nach dem Zieleinlauf traf ich Corinna. Auch wir kannten uns bisher nur aus dem Netz. Sie hatte mich aber sofort erkannt und sprach mich schon Vormittag an. Sie drehte ein paar Runden als Freerunner und nach dem Zieleinlauf konnten wir uns unterhalten. Praktischerweise konnte sie mich auch im Anschluss an die Siegerehrung und den Cheerleader Auftritt noch kurz zum Bahnhof bringen. 



Erstmal die Siegerehrung der Staffeln. Beindruckend gut schnitt das Korrosionsschutzteam (Antwort „Zink“ für die Insider) ab. 
Nur noch 30 Minuten bis zur Abfahrt mit Zugbindung.
Dann die Ehrung der Walker. Drei ernsthaft gute Walker auf dem Treppchen und ich nicht dabei. War aber gar nicht schlimm, hat gar nicht wehgetan. Denn ich kam ja doch noch auf das Treppchen. In Vertretung von Frau Mohr konnte ich Ihre Urkunde als erste Walkerin entgegen nehmen. Dazu gab es noch ein Blumensträußchen und ein Sechserpack Fassbrause. Ein schöner Abschluss.





 Der Rest ist schnell erzählt. Mit dem Navi etwas durch Iserlohn gefahren und den Zug noch gekriegt. Auf der Fahrt nach Dortmund fast eingeschlafen. Im Zug nach Hamburg richtig eingeschlafen und dann zuhause richtig ausgeschlafen. Keine Blasen bei mir, nur etwas Müdigkeit am Folgetag, der vorwiegend auf der Couch (und am Computer, ((die Lektorin)))verbracht wurde.
Herzlichen Dank an Bernd Nuss und sein Team, für das tolle Familientreffen.
Herzlichen Dank an alle, die dazu beigetragen haben, dass es eine gelungene Veranstaltung wurde.
Besonderen Dank und Respekt für Daniela Mohr, die mentale Härte gezeigt hat was Blasen, Marschieren und mein Gequatsche angeht. Sie hat das Ganze ja für einen guten Zweck gemacht.
Wenn der Bericht gefallen hat kann man ganz einfach mal 1 oder 2 Euro hier mit einem Klick für die  Fellnasen loswerden.


Danielas Bericht über die gleiche Veranstaltung findet sich hier

http://danielamohr.com/mohrblog/2015/04/29/hauptsache-man-ist-an-der-frischen-luft/

Und ganz wichtig: 

Bei Gefallen gern einen kleinen Beitrag spenden für die Miezen


Hier geht es zur Seite wo erklärt wird wie das geht. Soll mit paypal viel schneller als das Lesen von diesem langen Artikel gehen



http://seilersee.weigelt-sportpartner.de/

Zum Lauf bei Facebook
https://www.facebook.com/events/720307018033036/

Fotos Martin Schmitz und Susanne Alexi. Vielen Dank auch an Susanne!

1 Kommentar:

Elke hat gesagt…

Wow, welch ein Pensum, herzliche Glückwünsche!
Das Lesen hat Spaß gemacht, man könnte den Eindruck gewinnen, das macht man mit links... ich fürchte aber, es hat doch etwas mit Anstrengung und ein wenig Pein zu tun...
Gute Erholung und liebe Grüße
Elke