Sonntag, 4. November 2012

Wangerooge 100 - Reif für die Insel

Vorher reif für die Insel
und zurück in Hamburg auch...

Bericht und mehr Bilder folgen. Als erster Eindruck hier eine Serie von Selbstbildnissen mit Uhzeit von meinem 100km Marsch auf der Insel




Wind und Temperatur

Alle Bilder hier
Wangerooge 100

Das war die Strecke:


Und wie war es nun?

Wie oben schon geschrieben. Ich war reif für die Insel. Einen Hunderter im Kreis auf einer Insel, dafür war ich reif. Das war mal eine Idee die reizvoll war. Dann noch im November wo es nicht unbedingt gutes Wetter gibt und sonst nicht viel läuft. Das Ganze als kleine Spartenveranstaltung von Ultraläufern.


Der Aufwand für diese Veranstaltung war relativ hoch. Erst mal hinkommen. Mit der Bahn ist das eine Reise mit Entschleunigung. Est mit dem IC nach Bremen, dann mit dem Zug und Bussen über Oldenburg und Oldenburg und viele kleine Orte bis zum Fähranleger. Dort noch mal warten auf das Schiff und die Truppe und irgendwann am späteren Nachmittag dann Ankommen auf der Insel nachdem man nach dem Frühstück gestartet war. Dafür geht dann der Freitag als Urlaubstag schon mal drauf. Aber die Fahrt von großer Stadt zu kleiner Stadt und dann immer kleiner war schon interessant. Und irgendwie wurde alles auch immer flacher.

Links der Cheffe mit dem Handy
Am Fähranleger angekommen traf ich auf den Rest der kleinen Laufverrückten Truppe. Veranstalter Carsten in knalliger DLRG Jacke hatte noch ordenlich am Start zu organisieren. Wie machen wir das jetzt mit dem Gepäck und das mit den Einzelzimmern in der JH muss auch noch geregelt werden. Und das mit der Strecke stimmen wir dann noch ab ob große oder kleine Runde usw. Viel zu tun für den Cheffe.

Auf den letzten Drücker hatte dann auch Andredas zusammen mit seiner Freundin den richtigen Anleger gefunden und wir konnten alle an Bord.


Die ersten Eindrücke der Insel waren klasse. Nein, entgegen der Vorhersage regnete es nicht (am Anfang). Die Insel empfing uns freundlich und wir spazierten den ersten Km mit unserem Gepäck zur Jugendherberge am Westturm.
JH in Sicht

Da, ein Leuchtturm
Am Ende kriegten die die wollten dann doch noch ihr (vorher bezahltes!) Einzelzimmer. Es gibt für alles eine Lösung und so hatte ich eine Vierbettzimmer im Turm dann für mich alleine. Vier Schränke zum Verteilen der Klamotten. Sehr praktisch.

Noch ist alles in Ordnung...
Alles alles mal ausgepackt und schon bald gab es Abendessen (warm, mit Fleisch und Nudeln) und besser als man es in der JH vielleicht erwartet.

Der Küchenchef in Aktion
Wir verabredeten, dass der Start eigentlich auch schon um 20 Uhr sein könnte und dass wir erst mal die kleine Runde von 4,3 km in der Nacht laufen würden. Das war recht praktisch für die Versorgung und die kleinen Pausen, die dadurch möglich wurden. Und der Wind war natürlich inner halb der Deiche auch etwas weniger unangenehm aus direkt am Wasser.

Doping im Angebot
Startaufstellung
Los geht`s
Schnell noch eine Startfoto gemacht und dann ging es los in die Dunkelheit. Nach wenigen Sekunden war ich erwartungsgemäß allein auch wenn ich am Anfang mit 6,7 km/ auf der ersten Runde unterwegs war. Das sollte sich später noch legen und auf einen Gesamtschnitt in Bewegung von knapp 6 km/h hinauslaufen. Bei dem Wind kein schlechtes Tempo.

Die nächtlichen Runden waren schon etwas besonderes. Machmal vielen ein paar Tropfen Regen, aber es klarte auf. Der Mond kam raus und die Aussicht auf Leuchturm und die wenigen Lichter der Insel war klasse. Das Meer in Richtung Festland war von der Strecke aus auch in der Nacht zu sehen, die Luft war sauber und frisch. Gut warm angezogen sein war auch kein Fehler. Während einige Kollegen auf Highteschmebrane setzten, andere wiederrum auf Caferösterkleidung bevorzugte ich meinen alten Lodenmanstel mit Schlal und Mütze. Solange es nicht zu sehr regnete war das in Kombination mit langen Unterhosen unter alter Jogginhose eine gute Wahl.

Nach jeder Runde kurz mal aufwärmen und einen kleine Plausch halten war angesagt. Mir ging es ja nicht um Bestzeiten und da ich auch zwei Nächte ein Bett bezahlt hatte wollte ich nach ca. 40km bzw so gegen 3 Uhr Morgens dann bis 6 Uhr schlafen.

9 Runden waren rum, es waren 39km und es war viertel vor 3 in der Nacht. Also ab ins Bett. Schnell noch heiß duschen ( in der Nacht klapptes das, am frühen Abend nach dem Fínish nicht soooo warm). Dann ab in die Heia und schnell noch den Wecker am Handy gestellt. Das Handyteil nehme ich ja selten mit und daher viel mir ein kleines Detail nicht auf.... Als der Wecker wie gewünscht um 6 Uhr klingelte.... sagte die Armbanduhr etwas von 5 Uhr.... Sommerzeit.....Tja, so mussten dann also 2 Stunden Schlaf reichen. Die Beine fühlten sich aber auch davon schon ganz gut erholt an und ich konnte kurz nach 5 wieder auf die Strecke gehen.
Im Morgengrauen

Andreas der einsame Laufheld

Sonnenaufgang von Westen aus gesehen...

Das Laufen in den Morgen rein war einfach nur schön. Ein Highlight dieser Tour wie ganz langsam die Dunkelheit wich und die Sonne über der noch ganz ruhigen und weitgehend menschenleeren Insel aufging.
So drehte ich meine ersten Morgenrunden und dann gab es offizielles JH Frühstück in der JH. Drei Brötchen und Müsli und ein Ei wurden von mir verdrückt. Wandern an der frischen Luft am Meer mach sehr hungrig.

Morgenstimmung
JH Frühstück
Am Vormittag wurde dann noch angesagt gemeinsam eine große Runde um die Insel zu laufen. Das wollte ich auch tun, nur eben nicht laufend, so dass ich schnell hinten an ging. Machte aber nichts. Ich wollte ja die Insel auch mal ganz sehen und jetzt am Morgen war  das richtig klasse. Es ging bei dieser 13,5 km langen Runde um den Flughafen herum und man kam auch zum ersten mal in den Hauptort der Insel. Bisher hatten wir den ja östlich von unserer Laufstrecke nur erahnen können. Ich wählte jetzt ab auch mal eine Parallelstrecke auf der Nordseite der Insel direkt am Wasser. Endlich dann auch mal "richtige" Meer mit Schiffen, Wellen, Strand und so erleben. Sehr schön war das.

Spaziergänger auf dem Weg
Airport Wangerooge

Immer um den Pudding laufen...

Dann wieder eine Runde alleine und es ergab sich nach dem Mittag (Mittags kein warmes Essen aber es gab genug leckere Dinge...) das ein paar Läufer jetzt dann doch auch walken oder wandern wollten und noch mal eine 8 km Runde zusammen mir Carsten bis in den Ort gehen wollten. Das war eine schöne Idee mit touristischen Erklärungen und einem etwas gemütlicheren Tempo als vorher. Man sieht es schön auf em Geschwindigkeitsdiagramm.

Dann wurde es aber langsam zäher. Die letzten 20 km sind ja nie so richtig lustig. Aber jetzt kam noch Regen hinzu. Bisher hatten wir sehr viel Glück gehabt aber nun ging es ab 15:30 los und sollte auch bis zum Ende meiner Tour um 18 Uhr aufhören. Als der Regen Stärker wurde noch mal die Klamotten in Richtung Hightech gewechselt mir Gorejacke und Beinlingen und ab die Post. Den Ipod auf die Ohren und Musik zur Motivation. Am Anfang noch fröhliche muntere Meldienen, dann Blues und am Ende half in der Dunkelheit und bei Regen zwischen km 95 und 100 nur noch Rammstein.  Mit lauter Musik auf den Ohren und BENZIIIIN, BENZINNN ebenso laut singend waren die wenigen Spaziergänger die mir im Dunkeln dann noch entgegenkamen wohl doch leicht erschrocken... Aber ich wollte zum Abendessen unbedingt die 100 km hinter mir haben und nicht noch mal rausmüssen. Hat geklappt. Um kurz nach 18 Uhr war ich im Ziel. 22 Stunden also, davon ca. 2 Stunden geschlafen. Für die Strecke, die dann doch nicht wirklich flach ist und den Wind keine reine Schlenderzeit. Aber um eine Bestzeit ging es hier auch nicht. Die Zeit war hier wirklich nicht wichtig. Wer wollte konnte die zweite Nacht ja auch noch weiterlaufen, was einige wenige ja auch bis in die Nacht noch taten. Andreas schaffte nach einigem Hochs und vor allem auch Tiefs und am Ende die gewünschten 100 Meilen und zwar noch schneller als ich die bei der Tortour gewalkt hatte. Mit 31 Jahren der erste 100 Meiler für Ihn nach nur insgesammt einem Laufjahr das er gleich von Null auf Ultra gestartet hatte.

Die Laufgemeinde versammelte sich nach dem JH Essen im Foyer. Es war ein lustiges Beisammensein, nur irgenwann wurde ich dann doch müde und ging so gegen 22 Uhr in mein Zimmerchen um mir eine verdiente Nacht im JH Bett zu gönnen.


Mit dem Porschegünter

Der Sonntag dann nach ausschlafen und Frühstück ging geruhsam vor sich. Fast wie Urlaub spazierten wir am Strand entlang  und guckten, bei nun wieder gutem Wetter, auf das Wasser. Eigentlich auch schön hier ohne zu laufen dachte sich sicherlich nicht nur ich da. Mittags dann wieder zum Schiff, das dieses Mal recht voll wurde. Resteverwertung auf dem Schiff. So gegen 15 Uhr wieder auf dem Festland und kurz nach 18 Uhr zu Hause auf der heiß ersehnten Couch mit dem Gefühl: Jetzt bin ich reif für die Insel

Fazit:
Die Insel ist wirklich schön und der Lauf ist eine nette schöne Sache. Es ist wirklich etwas besonderes auf so einer Insel zu laufen. Nur: Der Aufwand ist zeitlich und finanziell nicht gerade klein. Für ein Wochenende jedenfalls. Letztlich ging von Hamburg aus fast der ganze Freitag und der halbe Sonntag als Reisezeit drauf. Die Fähre ist auch nicht gerade billig und die verehrt nur ca. 3 Mal am Tag mit Tideabhängigen Fahrzeiten. Das ist auch OK wenn man ein paar schöne Tage auf der Insel entschleunigen möchte. Nur bei dieser Veanstaltung steht das was man tut ( Ankommen sich umziehen und losrennen) eigentlich im Gegensatz zu dem was man sonst so tu auf einer Insel. Aber es war eine schöne schöne Laufnacht und auch bis in den Nachmittag ein toller Lauftag. Als anstrengend und nicht so entspannend empfand ich die Rückreise. Der Sonntag ist sonst eigentlich immer der Regenerationstag für mich den ich überwiegend auf der Couch daheim verbringe. Das geht bei der Lage der Insel und er Anbindung ( auch mit dem Auto war die Rückfahrt nicht schneller als mit dem Zug) nun mal nicht. Daher wird es wohl nicht ein Lauf sein den ich jetzt jährlich wieder unbedingt machen muss auch wenn es mir gut gefallen hat. Aber man könnte so was ja auch mal auf Sylt machen. Mit dem Zug und Schleswigholtsteinticket als Gruppe  hinfahren. Insel hoch und runter laufen. Eine JH gibt es da auch und man kann auch direkt mit dem Zug nach dem Lauf wieder zurück wenn man will ohne auf die Tide Rücksicht zu nehmen. Bei Interesse gern mal bei mir melden....

PS: Und das mit den Puschelgirls kriegt Carsten bestimmt auch noch hin Ansonsonsten mal bei Bernd Nuss vom Seilerseelauf fragen wie das geht. :-)



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