Samstag, 10. November 2012

Hamburg – Canossa, dieser Gang wird kein leichter sein…Buchbesprechung



… die Melodie geht mir gerade durch den Kopf nachdem ich das Buch von Dennis Gastmann mit dem Titel: „Gang nach Canossa, ein Mann, ein Ziel ein Abenteuer“
 
Um es gleich zu sagen: Es ist ein klasse Buch, ich hatte mich darauf gefreut und ich habe es mit Freude gelesen. Mein Interesse hatte gleich mehrere Ursachen. Zum einen lese ich ja allgemein gern solche Reise- speziell Reisewanderbücher, zum anderen war das eine Strecke bzw. Idee die ich zum einen selbst mal in ähnlicher Form vorhatte. Ich wollte ja den Botengang von Rom nach Goslar mitmachen. Das war historisch der Marsch der dem des Kaisers Heinrich IV nach Canossa voranging. Wir wären dann die Boten gewesen die die Nachricht des Papstes: „Lieber Heinrich du hast nichts mehr zu sagen und aus der Kirche bist du auch verbannt“ vorausging. Irgendwie ist es ja auch eine Pilgerwanderung die Dennis Gastmann da gemacht hat, (auch wenn er mit der Kirche nicht viel am Hut hat) und lange vor Harpe Kerkeling bin ich ja auch schon mal nach Santiago gepilgert und im nächsten Jahr möchte ich auch wie Dennis Gastmann von zu Hause aus aufbrechen in Richtung Süd- Ost Polen. Viele Gründe also sich auf das Buch zu freuen.

Schon die ersten Seiten machen Spaß zu lesen. Locker flockig und pointiert beschreibt er Autor den Start seiner Wanderung und schon auf Seite 17 in Buxtehuder schreibt er über einen alten Freund von mir den er den „Zwerg von Buxtehude“ nennt. Sehr schön wie das Leben und Erleben schon dieser ersten kleinen Etappe von Hamburg beschrieben wird. In aller Welt war der Autor schon, aber Buxtehude? So nah und doch so weit…

Wie bei anderen Autoren die ähnliche Touren gemacht haben und später darüber geschrieben haben ging Dennis Gastmann recht unbedarft und untrainiert auf die große Tour. Das Lehrgeld schmerzender Füße musste er da erst einmal zahlen. Aber am Ende der Reise waren einige Kg runter und der Fitnesszustand war wie erwartet verbessert. In dieser und auch in mancher anderer Hinsicht gibt es gewisse Ähnlichkeiten zum Harper Kerkelings „ Ich bin dann mal weg“ Auch Dennis Gastmann ist einer der irgendwie auf der Suche ist, unterwegs Berührungen mit Kirche, Geisterheilern und Zeugen Jehovas macht und der am Ende der Tour ganz entspannt im hier und jetzt ankommt. Aber Dennis Gastmann wird wohl keinen Pilgerboom wie Harpe auslösen (hoffe ich jedenfalls) Sehr sympathisch eben nicht nach Santiago zu pilgern, wie es heute so Viele tun auf der Suche nach dem Sinn, sondern sich etwas ganz anderes als fixe Idee vorzunehmen und dann auch durchzuziehen.

Die Regel des Durchziehens ist dabei (wie auch bei Harpe) flexibel. Nein es muss nicht jeder Km gelaufen sein, Heinrich IV war ja auch auf einem Pferd und nicht zu Fuß unterwegs wie der Autor unterwegs feststelle. Aber: Abgebrochen wie Harald Braun (Deutschland Umsonst Reloaded) hat Dennis seine Tour nicht. Das Juragebirge wird am Ende zwar mit dem Bus überquert, aber der Alpenpass auf dem Weg nach Italien wird, nach tagelangem Warten auf den Bergführer bei gutem polnischen Essen und Countrymusik von morgens bis abends, gewandert.

Die Aufs und Abs der Tour werden herrlich anschaulich beschrieben. Der Autor konzentriert sich auf einzelne Abschnitte und Episoden der Tour die er dafür genauer beschreibt. Also nicht eine Aneinanderreihung der Tagesetappen mit genauer Wegbeschreibung, sondern ehr die Erlebnisse mit sich selbst und den Mitmenschen denen er unterwegs begegnet bilden den Schwerpunkt des Buches. Schwimmende Cabrios, Haar Fell von Hunden das durch Lichtenergie wächst, Erleuchtungsversuche bei den Zeugen Jehovas, Hotelerlebnisse im Beau Rivage in Genf…viele spannende Erlebnisse werden in dem Buch beschrieben, dass ich mit gutem Gewissen zur Lektüre empfehlen kann.

Das Buch ist als Hardcover erschienen, hat einige Schwarzweißbilder und eine schöne Übersichtskarte am Anfang des Buches. Als nettes Detail gibt es auch ein Lesebändchen, so dass dieses Buch auch was hermacht und Möchtegernpilgern schön unter den Weihnachtsbaum gelegt werden kann.

Rowohlt Berlin
Hardcover, 320 S.
09.11.2012
18,95 €
978-3-87134-744-3


Buchbeschreibung des Verlags

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