Samstag, 29. September 2012

Die Generation MAN MÜSSTE MAL - eine Buchbesprechung



Ja, man müsste auch mal ein Buch lesen und eine Rezension schreiben. Schließlich habe ich das Buch auch als Rezensionsexemplar bekommen und gehöre als "Wohlstandsöko" zur Zielgruppe auf der Anklagebank von Claudia Langer.

Das Buch: Die Generation man müsste Mal hat den Untertitel: Eine Streitschrift. Und so ist das Buch auch aufgemacht. Viele rote Farbe an den Rändern und bei den Sätzen die besonders wichtig sind. Viel: Ich klage an! (damit geht das Buch schon los) und es gibt sogar ein Manifest das in den Innenseiten der Buchdeckel geprägt wird.

Nicht 10 Gebote, sondern 10 Paragraphen wer nun alles Verantwortung übernehmen soll. (Eltern, Großeltern, Jugend, Eliten, Konsumenten, Manager, Investoren, Politiker, Wissenschaftler und überhaupt die Menschen der "Man müsste mal" Generation" (§10), damit ja auch wirklich alle angesprochen werden.

Lang (nun ja eigentlich gar nicht so lang, das Buch ist sehr schnell gelesen...) und breit wird erklärt was auf dieser Welt alles so schief läuft. Das "man" was tun müsste, das viele aber nur mal ein bisschen Bio kaufen und aber trotzdem (wie auch die Autorin) noch in den Urlaub fliegen (mit dem Flugzeug nach Berlin zur Buchvorstellung???).

Vieles was man eh schon weiß wenn „man“ sich etwas für solche Themen interessiert.
Claudia Langer ist die Gründerin von Utopia, einer Plattform, die sich mit ökologisch korrektem Konsum beschäftigt. Nach großen Hoffnungen in dieses Projekt und drei eigenen Kindern,  scheint ihr jetzt die Einsicht gekommen sein, dass dies alles nicht ausreicht, alles nicht schnell genug geht und das viel mehr getan werden müsste.

Was den Utopia Ideen aufgeschlossenen Leser nervt (und auch nerven soll) ist die Publikumsbeschimpfung der „Ökozielgruppe“. Gleich im zweiten Absatz des Buches auf der ersten Seite wird genau diese Gruppe angeklagt.

Ich zitiere:

Ich klage Sie an, nur kleine Schritte zu tun, die Ihr Gewissen beruhigen, anstatt endlich den großen Hebel anzusetzen. Ich klage insbesondere euch Berlin Prenzlauer-Berg. Yuppies an die, die Münchner Glockenbach-Boheme und die grüne Hamburger Schanzenviertelszene. Sowie alle grünen Livestyle Milieus dieser Welt. Ich klage Euch an, Eure Rücksichtslosigkeit moralisch zu legitimieren, indem ihr "Gutes" tut, jedoch nicht mit Eurer intellektuellen Kraft, all Eurer Macht und Eurem Geld das zu tun, was zu tun ist. 

Die grünen Livestyle Milieus dieser Welt also werden hier in einem Rundumschlag als "noch nicht genug gutes Macher" angeklagt. Ja, ich gehöre schon irgendwie zu dieser Gruppe und lese dann was ich alles so tun soll:
  • Ökostrom beziehen,
  • wenig fliegen,
  • wenig Autofahren,
  • Energiesparen,
  • wenig Fleisch essen,
ja, ja, ja mach ich doch alles.....

Klar ich könnte jetzt noch die Bank wechseln, nur noch fair gehandelten Biocafe trinken, aber ist das hier wirklich die richtige Zielgruppe die  angeklagt werden muss? Klar für den "grünen Lifestyle Öko" der vor allem wegen des guten Geschmacks und "der Kinder wegen" auch mal Bio einkauft, und er sich das leisten kann, mag der Vorwurf stimmen. Was mich hier stört ist die Verallgemeinerung der Zielgruppe und dann die Vorschläge was zu tun wäre. Das hat etwas schulmeisterliches, Vorwurfsvolles an fast alle Bürger der Wohlstandswelt. Diese Vorschläge kennt doch jeder "Utopia affine" Leser schon. Daher geht die Anklage an diesem Punkt in meinen Augen etwas an der eigentlichen (Haupt)zielgruppe vorbei. Denen, die z.Btatsächlich immer noch keinen Ökostrom beziehen oder nur aus Spaß am fahren ein Riesenauto fahren.

Aber die Autorin hat mit Wut im Bauch geschrieben und wollte provozieren und anklagen. Es ist eben eine Streitschrift. Nur ist es wirklich immer eine Frage von Generationen und Gruppen die in den einzelnen Paragraphen des Manifests angeklagt werden? Meines Erachtens ist jeder Mensch zunächst einmal ganz allein als Mensch für sein Tun und Handeln verantwortlich. Ganz gleich welcher Gruppe man angehört. Es geht auch um den inneren Schweinehund, sich aufzuraffen und etwas am Verhalten zu verändern. Es geht auch um persönliche Wertvorstellungen und bei jeder Konsumentscheidung und Handlung um eine Prioritätensetzung und Abwägung. Das muss letztlich jeder und jede für sich entscheiden.
Was kann ich für mich verantworten?
wie ist mein persönlicher Fußabdruck?

Wer sich für das Thema interessiert (der besagte Utopia affine Leser) weiß das. Ob die Beschimpfung bzw. Anklage des Buches bewirkt jetzt endlich mehr zu tun? Ich glaube es kaum, denn neue Fakten zur Empörung bringt mir dieses Buch nicht.

Zum Schluss will ich noch auf die Seite hinweisen, die mir am besten an diesem Buch gefallen hat. Auf Seite 164 geht es um die Mutbürger.

"Wir brauchen nicht die Wütenden sondern die Mutigen"

Hier werden die gutsituierten Stuttgarter "Wutbürger" angeklagt die sich erst dann geregt hätten als die Bagger kamen und es werden die angeklagt denen es nur um "Nicht in meinem Vorgarten geht"

Mein Lieblingszitat aus diesem Buch auf Seite 164:

Hier geht es zum Buch auf der Verlagsseite des DROEMER Verlags (Dank für das Rezensionsexemplar)
Erscheinungstermin des Buches ist der 1 Oktober 2012

Hier geht es zur Facebookseite des Buches

Hier geht es zum Buch auf der Utopiaseite (mit Diskussion)


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Na dann bin ich ja mal auf das Buch gespannt, auch als utopia-affiner Öko-Engagierter, der noch nicht genug tut. Dass CL anklagt, und selbst zur Vorstellung des Buches nach Berlin fliegt, fand ich auch ziemlich fragwürdig. Das wurde auf utopia.de auch schon hinreichend diskutiert. Man lese lieber "2052" oder ähnliches, um ein realistisches Bild von der (Nicht-)Machbarkeit der Zukunft zu bekommen.

Nur ein Hinweis an den Autor der Rezension: bitte nicht so lange Sätze schachteln, und wenn schon, dann bitte mit Kommas, die den Text etwas lesbarer gemacht hätten.

Andreas Meißner

Anonym hat gesagt…

Na dann bin ich ja mal auf das Buch gespannt, auch als utopia-affiner Öko-Engagierter, der noch nicht genug tut. Dass CL anklagt, und selbst zur Vorstellung des Buches nach Berlin fliegt, fand ich auch ziemlich fragwürdig. Das wurde auf utopia.de auch schon hinreichend diskutiert. Man lese lieber "2052" oder ähnliches, um ein realistisches Bild von der (Nicht-)Machbarkeit der Zukunft zu bekommen.

Nur ein Hinweis an den Autor der Rezension: bitte nicht so lange Sätze schachteln, und wenn schon, dann bitte mit Kommas, die den Text etwas lesbarer gemacht hätten.

Andreas Meißner

Martin Schmitz hat gesagt…

Danke Andreas Meißner für den Kommentar. Ich habe meine Besprechung noch mal durchgesehen, etwas eingekürzt und versucht klarer zu gliedern.