Montag, 9. Juli 2012

Von der Werra an den Main - Schöner Wandern mit der Deutschen Bahn.


Im Jahr 2012 führte die Etappe der Wanderserie „Nonstop 111“ über 111 Wanderkilometer von Meiningen an der Werra bis nach Bad Staffelstein am Main.  Damit das Wasser mal nach Norden und mal nach Süden fließt sind ein paar Berge dazwischen (manche sind sogar ziemlich „gleich“) So kommt man bei dieser Strecke auf über 3000 ansteigende Höhenmeter (die man natürlich alle auch wieder runterwandern muss) In der Ausschreibung war dann auch von einer „sportlich anspruchsvollen“ Wanderung die Rede.
Aber erst einmal muss man ja zu so einer Veranstaltung hinkommen.  Wer umweltfreundlich reisen möchte tut dies gern auch mit der Bahn. Um rechtzeitig in Meiningen zu sein und mir auch Meiningen noch ein wenig anschauen zu können reiste ich bereits am Freitagnachmittag an, wo eigentlich dann kurz vor acht bei meinen Couchsurfinggastgebern Michael und Jasmin eintreffen wollte.  Die Umsteigezeit in Göttingen betrug nur 7 Minuten.  Wie schon geahnt klappte das leider nicht, so dass ich erst um 21:15 in Meiningen ankam. Aber  nicht so schlimm. Ich wurde schon erwartet und abgeholt und dann gab es bei meinen netten Gastgebern noch leckere Gemüsehackpfanne mit Nudeln als gute Marschgrundlage für die Tour.
Couch mit schönen Frauen auf der Decke

Nach einer Nacht auf der Couch mit einer heißen Frau (auf der Bettdecke nicht unter der Decke) war ein gemeinsamer Rundgang mit Michal durch Meiningen angesagt. Schon früh am Morgen war viel los in der Fußgängerzone. Meiningen hatte eine Mission. Die Mission Olympic.


Meiningen wollte Deutschlands aktivste Stadt werden und Freitag auf Samstag war der 24 Stunden Tag.  Im Finale galt es jetzt nur noch Weißwasser zu schlagen. An mehr als 200 Stationen (und Meiningen ist nicht wirklich eine große Stadt!) konnte man sich bewegen und etwas machen. Die Anzahl möglicher Aktivitäten war sehr groß und sehr lustig. Überall gab es für die Aktivitäten Punkte mit denen man etwas gewinnen konnte.
Und nach erstem passiven zugucken und sich wundern legten wir los. Wasser im Eimer auf der einen Seite hochziehen, auf der anderen Seite wieder reinschütten, Hufeisenzielwerfen, Autoscheibenputzen, Dosenwerfen, balancieren, Trecker ziehen, Bälle in den Kofferraum eines Minis kicken, Bogenschießen und noch vieles mehr. Man hätte sich sogar noch vom Kirchturm abseilen lassen können. Meiningen, das war wirklich Spitze!




Kulturell gab es dann noch das Theater und den Englischen Garten mit künstlichen Ruinen zu besichtigen. Bevor es losging noch schnell eine Thüringer Bratwurst mit Michael der mich dann zum Start an den Bahnhof brachte.
gute Grundlage: Thüringer Bratwurst

Die Berliner Mitwanderer wollten um kurz nach 12 dort eintreffen nach Zeitplan sollte es dann um 12:30 losgehen. Und wer Wolfgang Pagel kennt, der weiß dass der Zeitplan heilig ist. Nur…die Bahn kam nicht. Gut das auf dem Wanderplan groß die Mobilfunknummer des Wanderleiters aufgedruckt ist. Der freute sich über meinen Anruf denn durch diverse Kupplungsprobleme  in Berlin hatte sich die Anfahrt der Berliner Truppe um 2 volle Stunden verzögert. Auch die beiden  Mitwanderer die mit dem Auto zum Ziel gefahren und nun mit dem Zug nach Meiningen unterwegs waren hatten Probleme durch geteilte (aber nicht richtig angesagte) Regionalzüge gehabt. Also musste umgeplant werden. Ich organisierte ein Großraumtaxi für die Wandertruppe für 2 Stunden später, dass die Gruppe dann 10 km vom Start entfernt in den Ort Neubrunn bringen sollte. Dann würden es zwar keine 111 km aber  immer noch 100 km um einen Hunderter voll  zu machen.
mit Gastgeber Michael am Start

Die Anweisung das Wanderleiters war dann „Renn los“. OK, nicht rennend aber im Vorgeschrieben Tempo marschierte ich dann über den ersten Berge alleine. In Grimmenthal traf ich dann auf die Beiden Mitwanderer die aus Bad Staffelstein mit der Bahn angereist waren.


Gemeinsam ging es über den Eichelberg nach Neubrunn wo wir auf den Rest der Truppe stießen.


Endlich waren alle (genau im Zeitplan!) vereint und bei schwül warmem wechselnden Wetter ging es weiter.


Über den Dietrichsberg  nach Bibra wo uns vor dem Schloss  eine kleine Kurzpause vergönnt war.


Dann folgte der Dietrichsberg mit 540 Metern, der dritte Berg innerhalb von 15 Km Wanderung. Der nächste Berg hieß dann Quienberg aber im Kopf hatte ich vor allem den nächsten (ersten) richtigen Rastort  Westenfeld (Ankunft 18 Uhr), wo wir vorbestellen konnte: Bockwurst oder Wiener Würste oder Gar nichts...


Ich entschied mich für Bockwurst. Eine gute Entscheidung! Die war wirklich sehr lecker und das alkoholfreie Bier war kühl und lecker.

Wir schafften es sogar den Vorrat an kühlen alkoholfreien Getränken auszutrinken. Die Wirtin: „ Das wird hier sonst nicht so oft nachgefragt…“ Gut gestärkt ging es nun in den Abend. Zu bewältigen waren die Gleichberge. Beide fast gleich hoch, der große etwas größer als der Kleine. Auf den   kleinen mussten wir nicht ganz hoch, dafür aber sehr steil hoch. Dann über einen Sattel zwischen den Bergen und hinauf zum Gipfel, den höchsten Punkt des Grabfeldes. Leider nicht sehr lohnend die Anstrengung, denn rund um den Sendemast auf dem Gipfel und auch unterwegs gab es keinerlei schöne Aussichteten. Der Anblick der Gleichberge von weitem weg war deutlich schöner (und auch nicht so anstrengend). Aber wir können jetzt sagen: Wir waren oben!


Sehr lustig fand  ich dann beim Abstieg den Ortsnamen der Siedlung die gleich am Gleichberg liegt. Die heißt „Gleichamberg“ Man hätte sie natürlich auch „Gleichamgleichberg“ nennen können. Aber das war wohl doch zu lang. Die Sonne ging nun langsam wirklich unter.

Wir sahen noch die Kirche von Gleichamberg und freuten uns alle auf die Nachtrast im kleinen Ort Linden. Was wählt man wohl in einer Gaststättedie „zum fröhlichen Jäger“ heißt? Natürlich das Wildgulasch, das uns auch stolz vom Wirt und Jäger mit dem Kommentar: „Alles selbst geschossen“ serviert wurde.  Und es  schmeckte wirklich gut. Auch das Kulmbacher Bier war hervorragend! An den Wänden jede Menge Hörner, ich fühlte mich fast wie zuhause im Forsthaus. Die Pause war ausgiebig und schön lang. Wir hatten ganze 75 Minuten zur Verfügung.




In der Nacht ging es dann in einen Zipfel der ehemaligen DDR im Bereich Bad Colburg Heldburg. Früher war das alles Sperrgebiet und ich war bei meiner Wanderung entlang der Innerdeutschen Grenze auch schon mal in dieser Gegend. Die Grenze und den Kolonnenweg überquerten wird als es schon hell war. Aber es gab keine Grenzposten und der Zaun war ja auch schon weg. Nur ein paar alte Grenzsteine auf der Westseite waren noch zu sehen. War schon interessant noch mal wieder hier  an die ehemalige Grenze zu kommen.

Langsam wurde ich schon etwas müde und die Füße brannten etwas. Die Nacht war recht klar und Mondhell gewesen. Die Lampen haben wir kaum benutzt. Es ging vorwiegend auf kleinen Landstraßen voran, was ich gerade in der Nacht als recht angenehm empfinde. Aber es wurde richtig lang bis zum Frühstück. Das sollte es um 6:40 geben und es zog sich und zog sich… Aber als wir endlich in der Gaststätte in Scheuerfeld angekommen waren hatte sich der lange Nachtmarsch gelohnt! Unterwegs konnten wir die Burg von Coburg sehen.


Wir wurden sehr, sehr freundlich im Hotel Löhnert empfangen und immer wieder aufgefordert noch mehr zu essen und ruhig noch mehr zu trinken. Für 7Euro 50 ein tolle Büffet für uns Wanderer.




Weiter ging es nach dem Frühstück durch überwiegend offene Landschaft ohne besondere Höhepunkte. Nett dann noch die Burg Hohenstein die mal wieder auf einem Berg lag. Durch den Wald dann wieder runter und wie immer das nächste (letzte) Etappenziel im Kopf: Ein Klettergarten, wo wir noch mal Getränke und Imbiss bekommen konnten.  Leider begann es auch noch zu regnen und es zog sich und zog sich. Hier machte es dann gerade mal nur noch wenig Spaß. Aber das gehört auch dazu und der Leberkäs Semmel und das Radler taten dann auch wirklich gut.



Den Rest der Strecken schafften wir jetzt auch noch. Es ging ja nur noch bergab. Erst noch mal zu einem kulturellen Höhepunkt dem KlosterBanz und dann hinunter ins Tal nach Bad Staffelstein. In den 4,5 km bis zum Bahnhof soll sogar der Kirchenbesuch mit eingerechnet sein meinte zumindest der Wanderleiter



Wir erreichten dann sogar noch ein paar Minuten vor der geplanten Ankunftszeit 13:25 den Bahnhof und ich konnte so noch einen Zug früher nehmen. Vorher mussten aber noch 11 Liegestützegemacht werden…. 
Auf der Rückfahrt klappte es dann mit den Anschlüssen,  nur nicht mit einem Mitfahrer der meinte in der Ruhezone ausdauernd telefonieren zu müssen. Es gab einen kleinen heftigen Disput den sein Papi am anderen Ende der Leitung mithören konnte „Papi, erziehen Sie gefälligst mal ihren Sohn, der nervt hier den halben Wagen“ und dann war Ruhe bis Hamburg. Dort waren die Treppen mal wieder eine Herausforderung und nach der Anstrengung gönnte ich mir zum Abschluss dann doch noch ein Taxi nach Hause …

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