Dienstag, 3. Januar 2012

Buchbesprechung: Vom Wispern der Wälder und vom Wesen des Wanderns

Vom Wispern der Wälder und vom Wesen des Wanderns
1200 Kilometer zu Fuß durch Deutschland. Ein Buch von Wolfgang Lührs.
Preis: 19.90 Euro

 Bildquelle: Verlag die Werkstatt



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Ja, weit ist er gewandert, der Wolfgang Lührs mit seinem Wanderbruder Martin. Vom Titelbild des hochwertig gestalteten Hardcover Buches aus dem Verlag die Werkstatt schaut der den Leser an. Sitzend im Gras, den Kopf auf die Hände gestützt. Sonnenbrille, Schnauzer, die Augen nicht zu erkennen, der Mund ausdruckslos. Nackte gebräunt Beine die Füße in Wanderschuhen. Richtig Sympathisch wirkt das nicht. Da mustert jemand kritisch seine Leser, da denkt jemand nach, da ist jemand skeptisch schauend, irgendwie undurchdringbar. Seltsamerweise bleibt dieser erste optische Eindruck über das ganze dicke Buch hinweg bestehen.

Auf über 300 Seiten wird sein langer Marsch beschrieben. Tag für Tag. Wanderstrecke für Wanderstrecke. Manchmal lässt er den Leser ein wenig in sein Inneres blicken. Manchmal denkt man: Was für ein selbstgefälliger, überheblicher Mensch, dann wieder, nein stimmt ja doch nicht, er kann sich ja auch richtig freuen, er kann ja auch dankbar sein. Der Autor ist sich seines „speziellen“ Charakters, der so ganz anders als der seines Wanderbruders ist, auch bewusst. Er geht auf die 60 zu und hatte einfach das Gefühl: „Das kann doch jetzt nicht alles gewesen sein, da muss doch noch was kommen und ich darf doch jetzt nicht mehr alles aufschieben“ Ein Gefühl das gut nachvollziehbar ist. Es lässt sich zusammen mit seinem Freund Martin auf das Abenteuer ein. Als erfahrener Wanderer passieren kaum Anfängerfehler, aber dennoch gibt es reichlich Probleme mit Scheuerstellen zwischen den Beinen (die sehr ausgiebig beschrieben werden) mit den Füßen, mit den Wanderstöcken. Sein nicht sehr sportlich aussehender Wanderbruder ist einiges jünger und steckt die Strapazen der Tour etwas besser weg als der Autor. Die Beiden steigen oft in Pensionen und Hotels ab, haben sich aber selbst das Reisegeld relativ knapp bemessen und nächtigen so auch manche Nacht unter freiem Himmel und ohne Zelt. Allabendlich wird entweder im Gasthaus oder eben in der Natur was gegessen und immer wird Alkohol getrunken. Es fällt etwas auf, dass dies auch sehr ausführlich und immer wieder beschrieben und betont wird. Aber es sei den Beiden ja gegönnt. Aber an dieser Stelle, oder auch bei so machen etwas langatmigen Beschreibungen hätte man das Buch vielleicht auch etwas straffen können. So liest es sich ein wenig wie ein Reiseblog, oder ein Reisetagebuch. Nicht dass dies nicht interessant wäre, aber es Wolfgang Lührs ist eben weder Schriftsteller noch Journalist so dass man schon relativ großes Interesse an dem Thema haben muss um dieses Buch auch ganz zu lesen.

Selten hatte ich jedoch so ein ambivalentes Gefühl gegenüber dem Autor wie bei diesem Buch, da er mir, wie oben schon beschrieben etwas fremd geblieben ist. Dennoch ist es ein interessantes Buch für Menschen die sich mit dem Gedanken tragen eine längere Deutschlandwanderung zu machen. Positiv hervorheben möchte ich noch den praktischen Anhang zu den Themen: Ausrüstung, Checkliste und Tipps sowie die Übersichtskarte und die Bilder von der Tour im Mittelteil des Buches.

Nachdem ich Kontakt mit dem Autor per E-Mail habe möchte ich noch ergänzen das einige Dinge in der Buchbesprechung vielleicht etwas kurz gekommen sind. Ich habe Sie nicht erwähnt weil ich die etwas kritischen Töne der Buchbesprechung direkt nach dem Lesen in die Tasten gegangen sind und die Besprechung daher nun mal nicht voll ausgewogen und umfassend ist wie sie sein könnte. Um dem Autor gerecht zu werden möchte ich einfach noch anmerken, dass er sehr wohl auch viel über das "Wesen des Wanderns und über seine Gefühle und das Auf und Ab beim Unterwegs sein schreibt. Auch wird viel persönliches und ganz Privates dem Leser mitgeteilt.
Vielleicht ist es einfach so, dass ich festgestellt habe, man muss manche Menschen einfach erst persönlich kennen bevor man sich ein wirkliches Urteil bilden kann. Daher diese Ambivalenz beim Autor dieses Buches. Aber Lüneburg und Hamburg sind nicht weit auseinander und wir wandern beide gern und trinken beide gern mal ein Glas Rotwein. Da wird sich vielleicht einmal eine Gelegenheit finden sich persönlich kennen zu lernen. In diesem Falle werde ich dann hier wieder berichten wie Wolfgang Lührs "in echt" so ist.

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