Sonntag, 4. Dezember 2011

"Santiago liegt gleich um die Ecke" - Buchbesprechung

Santiago liegt gleich um die Ecke
Pilgern in Deutschland




heißt das Buch von Stefan Albus das im Gütersloher Verlagshaus erschienen ist und das knapp 15 Euro kostet.
Ich habe dieses Buch gelesen und ich muss sagen: Es liest sich gut.

Wieder also jemand der sich ohne großartige Wandererfahrung und ohne besondere religöse Motive auf macht zu pilgern. Sozusagen das im Moment etwas trendige "Harpeerfolgsschema" Nach dem Pilgerboom das Kerkeling ausgelöst hat mag wurde nicht nicht der Weg nach Santigo von Pilgern sondern auch die Buchläden vor Bücher über des Pilgern überschwemmt. Auch das Pilgern in Deutschland selbst erfuhr einen neuen Boom. Inzwischen gibt es ein toll ausebautes Wegenetz mit dem Vorteil das derjenige der als "Pilger" wandert  auch noch besonders von einer Übernachtungsinfrastruktur und von einem Bekanntheits und Beliebtheittrend profitieren kann sobald eine Jakobsmuschel den Rucksack ziert und der Weg ein alter Jakobsweg ist.
Von diesem pilgern auf Jakobswegen in Deutschland, der oft unbekannten Heimat handelt dieses Buch. Tenor: Man braucht doch gar nicht nach Spanien, wo nun alle rumrennen, die Pilgererfahrung (wandern und dabei auf tolle Gedanken über sich, das Leben, Gott und überhaupt zu machen) geht auch zwischen Ruhrpott und Eifel.


Das Buch liest sich flott. Es ist sehr unterhaltsam geschrieben. Das "Harpeschema" (da geht einer los, der eigentlich keine Ahnung vom gehen hat und der mit dem katholischen so gar nichts am Hut hat los und erlebt interessante Sachen) funktioniert. Das Buch ist vom Schreibstil mindestens so gut wie " ich bin dann mal weg", mir gefällt es sogar noch besser. Denn hier ist es kein Promi der sich auf Pilgerschaft begibt sondern ein ganz normaler Mann den es mal gepackt hat. Nicht nach einem Burnout als showstar sondern einfach nur so in der midlifecrisis wo man beginnt sich Fragen über die richtige Ausrichtung des Lebenswegs und über das Leben an sich zu stellen. Diesen inneren Dialog mit sich selbst. (Wann kommt denn nun endlich die Erleuchtung? Was sind dann nun gerade für Fragen die hier auftauchen usw...) beschreib Stefan Ablus sehr gut nachvollziehbar.


Er beschreibt dass was Pilger in allen Religion unterwegs wohl erfahren. Die Erkenntisse und das Gefühl was mit einem passiert wenn man sich aufmacht zu neuen Erfahrungen in der richtigen menschlichen Geschwindigkeit. Die Erfahrung was wirklich wichtig ist (um zum Beispiel auf dem Rücken getragen zu werden) Wie gut essen und trinken sein kann wenn man mal darauf verzichten kann. Wie intensiv menschliche Beziehungen und Begegnungen sein können wenn man sich allein in die Fremde (die auch vor der Haustür liegen kann) sein kann. Wie schön und wie wichtig die "einfachen Dinge" im Leben ist. Wie man durch die Pilgerei dazu kommen kann Prioritäten für sich selbst zu finden, wie man einfach zu einer innerern Ruhe und Fitness kommen kann. Das alles ist nicht neu. Das Alles geht nicht nur auf dem Jakobsweg. Aber man kann es auf dem Jakobsweg auch finden. Das Netz der Jakobsweg ist einfach eine gut Richtschnur, ein Anker für einen solchen Weg. Das möchte Stefan Albus vermitteln. Er zeigt auf das man einfach nur losgehen muss. Viel braucht es nicht. Vor Allem einfach etwas Zeit und etwas Mut. Wobei mit Handy, Internet, GPS und Pilgerführer der Abenteueranteil und das Ungewisse einer solchen Tour sehr minimiert werden kann. Und trotzdem kann man sich verlaufen und trotzdem sind es dann die unvorhergesehenen Erlebnisse knapp neben der Strecke und die eigentlich ungeplanten Dinge die solch einer Pilgerreise die richtige Würze verleihen. Das vermittelt der Autor in netter gut geschriebender Art und Weise den Lesern. Für jeden der mit dem Pilgern auf dem Jakobsweg in Deutschland liebäugelt ist diese Buch sicherlich ein klasse Tip.
Einen praktischen Teil mit Adressen und ein paar Kartendarstellungen mit Jakobswegen gibt es auch noch. Nur der Bonustrack am Ende der den Anfang der Reise beschreibt gehört meines Erachtens wirklich an den Anfang und nicht nach dem tollen Ende der Reisebeschreibung. Aber wer das jetzt weiß kann diesen Teil ja dann als Einleitung lesen...


Also mein Tip: Kaufen oder zu Weihnachten schenken an jemand der mit dem Jakobsweg liebäugelt oder schon in den Weg verliebt ist.


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Eine gute Seite über die deutschen Jakobsweg

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