Sonntag, 15. Mai 2011

Hollenmarsch 2011

Geschafft....


Ergebnisse gibt es Hier
Einen schönen Film vom Marsch auf vom WDR Hier
Offizielle Hollenmarschbilder gibt es hier
Schöne Bilder von Paul Baestaes hier
Meine Bilder gibt es
Hier (Teil 1)
und hier (Teil 2) 

Meine Ankunft in Kühude und im Ziel
Bericht von Laufjoe gibt es hier

Hollenmarsch 2011 - Rückkehr ins Sauerland nach jahrelangem Fremdwandern.

Der zweite Hollenmarsch war mein erster Hundert km Marsch. Die Nadel war gesetzt, ein neues Hobby gefunden. Gleich im nächsten Jahr beim 3 Bödefelder Hollenmarsch war ich wieder dabei. Dann entdeckte ich das es ja noch ein paar mehr Märsche gibt und die Taktzahl erhöhte sich. Im nächsten Jahr kam dann Kyrill. Also: Kein Hollenmarsch. Ich musste mich nach Alternativen im Frühling umsehen, wenn die Natur die Wanderer hinauslockt auf die langen Strecken. Ich hörte von der 7 Seen Wanderung die so toll sein soll (und auch ist)  und von der Horizontale in Jena an der ich dann auch zwei Mal teilnahm. Die 7 Seen Wanderung ist meistens kurz vor dem Hollenmarsch und beides ist weit weg von Hamburg und jedes Wochenende kann und will ich auch nicht unterwegs sein. Also musste ich mich entscheiden. In diesem Jahr passte alles prima für den Hollenmarsch. Zwei Wochen vor dem Marsch der Kulturrun in Oberhausen. Das nächste Wochende Familienfeier und dann das Wochenende drauf ins Sauerland. Optimal. So wurde dann mein 28er Marsch über 100km oder mehr der 7. Bödefelder und der 3 Hollenmarsch für mich.
Da liegt es nahe einmal zu vergleichen mit den Mitbewerbern bei den Frühlingsmärschen, die alle so Ihre Reize haben.  Ich möchte daher unter verschieden Aspekten einmal  Hollenmarsch, 7 Seen Wanderung und die Horizontale in Jena vergleichen. Vielleicht können alle Veranstalter sich dabei Anregungen holen was noch anders oder besser gemacht werden könnte.

Streckenlänge:

Hollenmarsch: 101 km

Horizontale: 100 km

7-Seenwanderung: 104km

Lage und Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmöglichkeiten.

Hollenmarsch: Bödefeld im Sauerland, öffentlich nur umständlich zu erreichen (Busfahrt) Abseits aber idyllisch gelegen.

Horizontale: Jena, Anbindung über Fernverkehrszüge und Autobahn optimal.

7-Seenwanderung: Leipzig Fernbahnanschluss und von dort kurze Strecke Regionalbahn oder S-Bahn nach Markkleeberg.


Startgebühren 2011

Hollenmarsch: 28 Euro

Horizontale: 23 Euro (18 Euro ermäßigt)

7-Seenwanderung: 15 Euro (klarer Preis / Leistungshit!)

Streckenmarkierung

Hollenmarsch: Wahnsinnig gut und dreifach gesichert. Top!

Horizontale: Klares Minus. Seit Jahren klagen Teilnehmer über die unzureichende Kennzeichnung für die Veranstaltung.

7-Seenwanderung: Ausreichend markiert. Man kann sich kaum verlaufen.


Verpflegung:

Hollenmarsch: Viele „Schnittchen“ (Belegte Brote) etwas Obst. An machen Stationen Instantbrühe. Teilweise auch Kaffe. Cola, Wasser, verschiedene Getränke. Gegen Ende des Marsches dann erst Malzbier, dann Veltins, dann Warsteiner und wer wollte sogar an der nächsten Station noch Schnaps! Verbesserungsmöglichkeiten: Früher gab  am Rhein Weser Turm auch Nudeln. Das war klasse. Für die Läufer gab es am Tag nach salzige Plätzchen und Rosinen. Die schmecken Wanderern auch gut und liegen nicht so schwer im Magen. Das Bier an den Lennenplätzen war super. Dafür noch mal vielen Dank! Behaltet das bei!

Horizontale:
Sehr heftige Kost. Nach 20km feste Wurst, trockenes Brötchen, Apfel oder Banane und eine Tafel Schokolade. Nach 40 km das gleiche Programm. Frühstück dann etwas besser, aber keine warmen oder heißen Getränke. Keine Rast in einem geschützen Raum, alles ist (und isst) draußen.

7-Seenwanderung:
Der absolute Hammer! Alles was das Herz begehrt. Kulinarisch der Topfavorit. Von (richtiger reichhaltiger) Suppe am Abend über „Spirellis“ um Mitternacht, einer traditionellen Puddingsuppe zum Frühstück, Grillwürsten und Eintopf zum Mittag (mit „richtigem Bier inklusive“) bis hin zu Kanapees mit Lachs und Kaviar aus einem guten Hotel. Bei diesem Marsch nimmt niemand ab!


Strecke

Hollenmarsch: Landschaftlich schön. Gute Ausblicke am Abend und während er Rücktour am Tage, bei der man die Nachtstrecke dann bei Licht sieht. 2107 Meter Anstiege (und Abstiege). Wenn man aber erst mal oben ist am Kahlen Asten bleibt man bis kurz vor Ende auch oben.

Horizontale: Landschaftlich sehr reizvolle Ausblicke (mehr als beim Hollenmarsch) Strecke zum großen Teil in Halbhöhenlage. Mehrfach muss man jedoch ganz runter und ganz wieder hoch. Die Strecke ist teilweise so schmal das man nur schlecht überholen kann.

7-Seenwanderung: Ganz was anderes! Keine Berge nur eine „Kippa“. Dafür viele (7) Seen. Teilweise auch mal Teerstraßen (mit wenig Verkehr) Liebevoll ausgezeichnet mit viel Initiative aber ganz anders als ein zertifizierter „Premiumwanderweg“ wie der Rothaarsteig. Aber es geht auch ohne solche Zertifizierungen!


Teilnehmerfeld und Stimmung

Hollenmarsch:Gemischtes Teilnehmerfeld durch verschiedenste Streckenangebote. Die Ultrastrecken ziehen Profis an! Gute Stimmung bei den vielen Helfen. An der Strecke praktisch keine Orte oder Bevölkerung. keine Kooperationen mit andern Gemeinden an denen der Hollenmarsch vorbeiführt. z.B mit Jagdthaus, oder Schanze. Das ist eine Bödefelder Veranstaltung und dort sind auch viele Leute in die Organisation eingebunden

Horizontale: Jüngster und größter Marsch. Viel Studentenvolk. Ca. 800 Teilnehmer. Viele mit sehr sportlichen Ambitionen. Viele machen auch als eine Art Mutprobe mit. Die Hälfte bricht die 100km ab.

7-Seenwanderung:Große Veranstaltung mit vielen Strecken. Vergleichbar mit vom Streckenangebot mit dem Hollemarsch. Teilnehmerfeld Familienfreundlich. Viel Leute nutzen auch die populäre Abendwanderung und starten mit den 104km Profis. Super Stimmung. Die Beste von allen drei Veranstaltungen. Alle 7 Gemeinden an der Strecke ziehen mit. Riesen Aufwand und überall super Partystimmung. Weniger Wettkampfcharakter als beim Hollemarsch und Hollenlauf. Überall kann man so gemütlich Rast machen. Der Anspruch ist auch ganz klar vom Veranstalter auf Erlebniswandern gesetzt und nicht auf Tempo.


So erst mal genug mit Vergleichen....

Obwohl.... 2007 hatte ich schon mal verglichen. Horizontale und Hollenmarsch 2007


Wie war es nun?  Das Sauerland ist ja die Heimat meiner Jugend und so war es auch ein bischen. Wie nach Hause kommen. Viele bekannte Gesichter und auch so einige die mich kannten und die mich grüßten weil sich mich aus meinen Internetbeiträgen her kannten. Am Start den Jupp getroffen, der verletzungsbedingt aber nicht mitkonnte. Sonst wäre ich gern mit ihm gewandert. Dann den Rene, der aber dann wie erwartet etwas schneller die Sache angehen wollte und dann mein alter Bekannter Flemming aus Dänemark, den ich bei meinem ersten Hollenmarsch kennengelernt hatte und mit dem ich inzwischen so machen Hunderter in Deutschland und Dänemark bestritten hatte. Mit Femming zusammen habe ich dann auch die Tour gemeinsam durchgezogen. Ich wusste das er zügig geht und das ich aber wenn er es nicht zu eilig hat sein Tempo auch mitgehen kann ohne mich zu verausgaben. Als es um 19 Uhr losging wurde gleich ein recht hohes Tempo im Feld vorgelegt. Früher hätte mich so etwas nervös gemacht. Aber inzwischen nicht mehr. Zum einen weil ich nicht angetreten war um irgendwelche Bestzeiten zu toppen oder möglichst weit vorn zu liegen und zum Anderne weil mir klar war das wir so machen aus der Gruppe wiedersehen bzw. später überholen würden.

Es bildeten sich zeitweise lockere Gruppen um uns herum. Eine Zeit lang waren wir auf dem Hinweg eine 5er Truppe, dann eine Vierertruppe. Sehr treu blieb uns Michael aus Griechenland bzw Esslingen der seinen ersten Hunderter bestreiten wollte.

An den Versorgungsstellen gab es immer wieder Schnittchen und Getränke und so ging es durch die Nacht. Das Wetter war OK, keine Regen, angenehm zu laufen. Auf dem Weg zum Wendepunkt holten wir ab und an jemanden ein (meist an den Raststellen) aber ich war erstaunt wie viele noch vor uns waren. Kurz vor dem Wendepunkt kann man es dann ja abschätzen. Die ersten 3 die später auch vorne liegen sollten hatten einen irren Vorsprung. Dann kamen auch noch zwei Frauen recht weit vorn dann kam irgendwann der Rene kurz vor der Rast vor dem Turm.

Am Rhein Weser Turm dann ein Süppchen und ein paar Süßigkeiten vor dem Sonnenaufgang. Das Versorgungsteam sehr gut gelaunt. Dann ging es zurück durch die Nacht nachdem Magen und Füße gut versorrgt waren. Michael hielt sich gut. bis sich so ca 20km vor dem Ende doch das hohe Anfangstempo bei Ihm rächte. Er wurde zusehend langsamer und trennte sich von Flemming und mir, aber er hat sich auch durchgebissen. Herzlichen Glückwunsch!

Ab dem Lenneplätzen wurde die Versorgung dann immer besser. Es gab zum ersten Mal ein Bierchen! Selten hat ein Veltins soooo gut geschmeckt. Nochmals Danke dafür! Dann eigentlich nur noch immer weiter runter den Berg. Die kleinen Zehen taten weh, aber ansonsten lief es noch ganz gut. Die 101km Läufer kamen uns alle entgegen und ich machte mir den Spaß die möglichst alle zu fotografieren. Erstaunlich wie gut die alle drauf waren. So viele fröhliche Gesichter!

Ich traf dabei noch einige Bekannte und dann ging es einfach immer weiter den Berg runter bis nach Bödefeld. Nach 18h11min erreichten wir das Ziel. Erst mal ein Malzbier, dann zwei Mal Kuchen und dann wartete ich auf meine Mutter die mich später in das Bettchen in meinem Kinderzimmer brachte wo ich selig ausschlafen konnte.

Aufgrund des vorgestellten Vergleiches ist der Bericht jetzt etwas knapper ausgefallen als üblich. Ich bitte das zu entschuldigen. Zum ausführlicheren Schreiben habe ich gerade keine Lust. Aber mein Dank noch an die Organisatoren und vielen Helfer und einen Gruß an alle Mitsportler die ich unterwegs oder in Bödefeld getroffen habe. Der Hollenmarsch (und Lauf) lohnt einen Besuch im Sauerland.

Gerade finde ich beim Googlen meinen Bericht vom Hollenmarsch 2005, meinen ersten Hunderter. Das stelle ich dann hier gleich noch mal hintern dran:
Bericht vom 101km langen Hollenmarsch. 2005


Der Tag davor.
Am Vortag des Hollenmarsches lud mich mein Sauerländer Kumpel Josef noch auf einen Dämmerschoppen nach Grafschaft ein. Wir könnten ja die Strecke noch mal durchgehen... Zwar hatte ich ihn schon lange vorher mal vom Hollenmarsch erzählt und Interesse war auch wohl dar, aber einen Entschluss da mitzumachen war das noch nicht. Nach drei kleinen Weizen (mit Alk) für Josef und Sportskollege Louis, und 2 großen Weißen ohne Alk für mich, war der Hollenvirus aber bei Josef eingepflanzt. Durch regelmäßiges Mountainbiken und Langlauf mit und ohne Ski kannte er die Strecke praktisch im Schlaf. Was sollte da schon schief gehen.... und so wunderte ich mich nicht, als am Freitag Nachmittag (Josef musste noch ganz normal zur Arbeit gehen, ich konnte nett vorschlafen...) ein Anruf kam: „Holst du mich ab? Der Rucksack ist gepackt, ich komme mit!“

Freitag Hollenmarschtag, die Ausrüstung.

Nach langem hin und her hatte ich mich für folgende Ausrüstungsvariante entschieden:
Gorewander(halb)schuhe, Falke-TK2Treckingsocken, Concurve-Windstopperhose, 4seasons-Funktionsunterhemd, Aisec Langarmshirt, Vaude Fleeceartiges Windstopperinnenteil des Wanderanoraks, Expeed Poncho, rechte Hand Schweißband HH Marathon (breit) linke Hand Schweißband Berlin HM (Danke Firenza für den Tipp!) Für den Kopf Ausrüstung in Variation mitgeführt. Den Filzhut kurz vor dem Start ausgemustert. Tchibo Winterkappe, Windstopper Stirnband und Windstopper Kopfhaube (Schwedischer Hersteller Normalpreis angeblich 50 Euro, für 5 Euronen auf der Marathonmesse in HH aus dem Grabbel erstanden) An Kleidung dann noch Fleecehandschuhe. Auf dem Rücken den ganz neuen Tchiborucksack, (Für weniger als 13 Euro ein unschlagbarer Kampfpreis, (viel Rucksack fürs Geld auch wenn ich bei Tschiboklamotten von wegen Clean Clothes recht zurückhaltend geworden bin....) Trinksystem mit Petflasche, diverse Riegelchen, Plasterchen und was man noch so meint, mitnehmen zu müssen. Halt, noch wichtig für die Nacht die Lenser Stirnlampe und als Ersatz eine Minimaglite (nicht benötigt).

Hollenmarschwetter und Wegezustand.

Die Schlagzeile in der heutigen Westfälischen Rundschau lautet: „Für Wanderer gibt es kein schlechtes Wetter“. Nun, am Wochenende vorher war auch im Sauerland strahlender Sonnenschein, aber jetzt hielt das Wetter, was das Sauerland sonst fast immer auch garantiert: Keinen Sonnenbrand! Abends bei Start (18.Uhr) Nieselregen, der dann in den ersten noch hellen Stunden öfters noch zur festen Schauer wurde. Es gab aber Momente, an denen sogar kurz die Sonne durchkam und man die schöne Landschaft etwas genießen konnte. Nachts ließ der Regen dann nach, dafür sank die Temperatur immer weiter bis auf ca. 3 Grad. Im Morgengrauen setzte dann wieder Regen ein, der bis zum Ziel eigentlich auch nicht mehr richtig aufhörte. Bis zum Ziel hieß bei mir ja bis Mittags, aber die letzen erreichten das Ziel um 21.15 und am Nachmittag und besonderes am Abend wurde der Regen noch heftiger.... Da es auch schon Tage vorher geregnet hatte, waren die Wege entsprechend nass und teilweise sehr matschig. Auf einigen Wegen war trotz des schlechten Wetters mit großen Maschinen Holz gerückt worden. Die Folge waren riesige Pfützen, denen nur teilweise über den angrenzenden Wald ausgewichen werden konnte. Zudem musste man dann in der Nacht schon genau schauen, wo Pfütze und wo Wurzeln auf müde stolpernde Wanderer lauern....

Die Vorbesprechung.

Nach der Registrierung so gegen 17 Uhr wurden die „Extremwanderung“ zur Vorbesprechung gerufen. Es ging noch mal eine Liste mit Handy und Notrufnummern rum. Die Lage der Verpflegungsstationen und die Markierungen wurden erläutert. Wechselkleidung konnte an bestimmte Punkte an der Strecke transportiert werden. Ich schaute suchend in die Runde, wer denn nun Günthi sei. Aber unseren Steakliebhaber konnte ich nicht so ohne weiteres erkennen. Es fehlten auch bayrische Trachtenoutfits, so dass ich auch daran nicht den Bayern unter uns festmachen konnte.

Der Start

Um 18 Uhr sollte der Startschuss fallen. 44 Extremwanderer waren gemeldet, fast alle davon auch erschienen. Im Startbereich sprach mich dann Günthi an. Ich hätte ihn nach dem LA Foto so nicht erkannt. Weniger bierbauchig wie das LA Foto vermuten lässt. Wir wechselten nur wenige Worte bevor es losging, fragten uns ob Kylie irgendwo im Busch hockt und mit Schweine- oder Rinderhälften uns bewerfen würde... Da Günthi aber eine „Genusswanderung“ vorhatte (ich bin gespannt auf seinen Bericht ....) und Josef und ich dann doch ehr zügig langsschrittgehend die Sache angehen wollten, war nach dem Startschuss auch schon Schluss mit Smalltalk. Ich dachte, vielleicht treffe ich Günthi nach dem Marsch noch. Aber da wurde am Ende doch nichts draus, da die heimische Badewanne dann doch verlockender war... Pünktlich um 18.00 läuteten die Glocken der Dorfkirche und unter dem Beifall von ca. 25 Zuschauern (Es sollten die einzigen auf den 101km bleiben...), ging es auf die Strecke. Vorne wurde recht kräftig Tempo gemacht. Mir war klar, dass der Schnitt von über 7km/h für diese Strecke auch für mich nicht angesagt war. So ließen wir die ersten ziehen, wähnten und aber doch noch so am Ende des ersten Drittels des Feldes.

Die ersten 20 km

Mit einem frisch fromm fröhlichen Tritt schraubten wir uns langsam die Sauerländer Hänge rund um Bödefeld herauf und teilweise herunter (insgesamt waren es 2200 Höhenmeter). Die Strecke führte ja erst einmal rund um den Ort herum, und dann auf die Höhen des Rothaarsteigs. In der Spitzegruppe fiel uns ein schlacksiger Typ in hellblauem Trainingsanzug auf. Man hätte ihn sich auch mit den Klamotten so an einer Trinkhalle im Ruhrgebiet vorstellen können. Besonderes Markenzeichen: Keine Stirnlampe, sondern in der einen Hand eine Taschenlampe, kein Rucksack und in der anderen Hand ein Regenschirm. Ich hatte die Gelegenheit diesen jungen Mann nach dem Lauf kurz zu sprechen.

Originaltöne von einem, der noch viel verrückter ist als ich:

Er: In englisch please
Ich: Where do You come from?
Er: I come from Denmark
Ich: When did you arrive?
Er:I came at 10.45 (also als Dritter mehr als zwei Stunden vor mir. Schnitt ca. 7km/h auf der ganze Strecke)
Ich: Oh?! Do you do things like this very often?
Er: about 2 or 3 times the month, it is my hobby, I like walking…
Ich: How do you train for this?
Er: Oh, I don’t really train. I just walk 100km marches in den weekends, I do that for about 20 years now, it`s fun.
So kann es also mit dem Ultrawalken auch enden…..

Auf den ersten 20 km konnte man dann auch einen Soldaten bewundern. Volle Kampfmontur und hinten ein kleines Deutschlandfähnchen am Rucksack. Immer wenn es bergab, ging fing er an zu laufen. Darauf angesprochen meinte er, bergaufwärts würde er so kleine Schritte machen, dass müsse er den bergab mit Laufen wieder rausholen. An der ersten Verpflegungsstation wurde von ihm nur ein Becher Tee kurz runtergespült und schnell weiter. Dieser Kollege war dann der Erste, der später aufgegeben hat. Auch ein weiterer Wanderkollege in Tarnjacke fiel uns durch strammen Schritt und Laufschritt bergab auf. Auf ihn wird in der nächsten Etappe noch zu sprechen sein. Nach ca. 20 km kam dann die erste Verpflegungsstation Nasse Wiese. Wir waren erst 3 Stunden unterwegs. Also, deutlich über einem 6km/h Schnitt und daher eigentlich schon reichlich fix für die Strecke. Ich versuchte, meinen Kumpel Josef vor allem an den Anstiegen immer etwas zu bremsen. Immer wieder mein Hinweis, dass die Strecke heute noch etwas länger ist, und dass man sich ja auch noch schön auf den zweiten 50 km austoben könne.... Wir konnten uns bis auf die Anstiege eigentlich auch immer noch ganz gut beim Marschieren unterhalten. Als Majo das erste Mal anrief, ging es gerade im Sturmschritt einen Skihang herauf, da konnte man wohl am Atem schon hören, dass es nicht ganz so locker war...

An der Verpflegungsstation gab es eine reiche Auswahl an heißen und kalten Getränken. Auch kleine Obstsnacks oder Riegel wurden angeboten. Die kleinen Stationen wurden von Fahrzeugen aus bewirtschaftet. An den Lenneplätzen und am Rheinweserturm fand die Versorgung auch mit Essen später im Warmen statt.

Nasse Wiese bis Lenneplätze

So langsam wurde es dunkel, ab 21.30 dann wohl auch so dunkel, dass es ohne Lampe nicht mehr ging. Es bildeten sich kleine Gruppen, die wie die Geister sich durch die dunkele nasse kalte Nacht bewegten. Eine tolle ganz besondere Stimmung. Meist teilen sich zwei oder drei Leute das Licht einer Lampe. Jetzt zeigten sich auch die Unterschiede zwischen den Lampenmodellen. So mancher war nicht so recht zufrieden mit seiner Ausleuchtung. Meine Lenserlampe mit noch kaum genutzten Batterien funktionierte im Vergleich hervorragend. Bei Nebel und Regen hat sich als gute Lösung die Montage vor dem Bauch bewährt. Noch ein auf dem Marsch erprobter Trick: Den Regenponcho vor dem Köper zusammenknoten statt komplett anziehen. Die Schultern sind dann trotzdem gut geschützt vor Regen und man schwitzt nicht so stark.
An den Lenneplätzen ist man dann auf den Höhen des Rothaarsteigs angelangt. In einer schönen, mit Kamin beheizten Bude, wurde eine warme Suppe gereicht. Außerdem noch belegte Brote, Obst und natürlich Getränke. Freundliche Leute an den Stationen. Ein Kameramann drehte lustig mit. Es wird ein Film erscheinen, der auf DVD oder Video zu erwerben ist.

Lenneplätze nach Kühude und weiter nach Jagdhaus.

Es ist Nacht, und man sah nicht viel. Die nasse Strecke forderte volle Konzentration. Viele Schlammlöcher, viel Gerutsche. Die Kondition war aber noch da, alles pendelte sich ein. Vor Jagdhaus hatte sich eine Vierergruppe gebildet. Josef, Peter, (mit dem ich später das Ziel erreichen sollte) und der bereits erwähnte Kollege mit Tarnjacke. Dieser Kollege legte einen forschen Schritt hin, bemängelte seine Lampe und suchte daher Anschluss, war aber recht zügig dabei. Das mit dem Laufen zwischendurch hätte ihm ein anderer 100km Marschierer so als Tipp mitgegeben. Das sei gut für die Beine. Nun ja, ich bezweifelte das etwas, aber jeder wie er will. Nachdem wir zusammen das Tempo angeheizt hatten, meinte mein Kollega dann kurz vor Jagdhaus, er würde jetzt sowieso aufhören. 50 Km seien ja auch eine schöne Strecke, und langsam würde er ja jetzt auch müde. Da waren wir doch alle etwas überrascht. An der Verpflegungsstation musste ihm leider mitgeteilt werden, dass er hier jetzt nicht so ohne weiteres wegkönnte. Die Station blieb die ganze Nacht da. Er musste sich dann also im Schlafsack in den Bus verkriechen.

Von Jagdhaus zum Wendepunkt Rhein Weser Turm.

So langsam merkte man auch in den Beinen, dass da was ist. Sie wurden halt etwas schwerer. Bei mir merkte ich auch ein leichtes Reiben beginnender Blasen an beiden Füssen. Als Dreierverband zogen wir weiter durch die Wälder. Ich alleine vorneweg und immer schneller wuchs stets der Abstand zu Josef und Peter. Jetzt ließen bei Josef die Kräfte nach. So ganz ohne spezielles Training für diese Veranstaltung rächte sich die Spontientscheidung. Peter ging weise hinter ihm. Wie er später sagte, war das ja ganz praktisch, dass er so die Fehltritte gut sehen konnte und daher selber weniger Fehltritte machte. Nur die Strecke wurde jetzt immer schlimmer. Die Organisatoren hatten zwar noch mitten in der Nacht die Route umgeleitet, aber teilweise waren die Wege so matschig und eng zwischen dichten Bäumen, dass kein Ausweichen möglich war. Kurz vor dem Rheinweserturm, schon auf der Teerstraße, kam der Mann mit dem Hammer dann zu Besuch bei Josef. Es ging nichts, aber auch wirklich gar nichts mehr. Auf einer Leitplanke wartete er dann geduldig, bis wir am Rhein Weserturm (noch ca. 1km entfernt) im ein Auto geschickt haben. Der Rhein Weser Turm war festlich erleuchtet. Nach 57 km ein schöner Anblick mitten in der Nacht. Gut gelaunte Leute in der Gaststätte. warmes Essen, hübsche Masseusen mit goldenen Händen, schwere Sanitäter mit ebenfalls goldenen Händen.
Eigentlich wollten wir nicht lang bleiben, da ich Angst hatte, hinterher nicht wieder hoch zu kommen. Doch ich war noch so fit, das auch nach 20 Minuten, oder einer halben Stunde, ich gut wieder hochgekommen bin. Ich habe mir die angebotenen Massage nicht entgehen lassen. Josef wurde ebenfalls von seiner überraschend anwesenden Nachbarstochter durchgeknetet (was ihr sichtbar Freude machte) und ihn zum Stöhnen brachte. Ein 100kg schwerer Sanitäter machte sich dann mit Seelenruhe an meine Füße ran. Supersorgfältig wurden alle angeriebenen oder verhärteten Stellen mit Leukoplast in Ziegeltechnik abgeklebt. Dadurch wurde wohl später Schlimmeres verhindert.
Gut gestärkt brachen dann Peter und ich wieder in die Nacht auf. Wir lagen jetzt an siebter Stelle.

Rhein Weserturm bis Kühhude

Frisch gestärkt wanderte es sich jetzt wieder besser und schneller in Richtung Bödefeld. Eigentlich gibt es bis Kühude nichts wesentliches zu erzählen. Der Tag kam es wurde heller. Irgendwann rief Muttern an und wollte uns entgegenkommen. Das Timing war optimal, und genau in Kühude an der Verpflegungsstation klappte das Treffen. (Das Foto, wo wir zu zweit vor dem Wagen stehen) Schon über 75 km geschafft.

Kühude bis nach Bödefeld

Noch 25km, also eine normale Tagesetappe. Bisher noch keine großartigen Ermüdungserscheinungen, aber jetzt fing es doch langsam an, anstrengend zu werden. Irgendwann habe ich mir einen Stock genommen um etwas die Gelenke zu schonen. Der war aber besonders nass und es regnete ja jetzt auch dauernd. Damit waren dann auch die Handschuhe durch und es war saukalt. Da waren dann die Schweißbänder die gute Hilfe zum Aufwärmen der Hände. Als Pulswärmer bzw. Ersatzhandschuhe leisteten sie gute Dienste. Die letzten km vor der großen Versorgungsstation Lenneplätze wurden schon verdammt zäh. Immer wieder die Visualisierung dieses warmen Kamins und der warmen Suppe..... Dort war es dann auch wirklich schön. Eine letzte richtige Stärkung, kein langer Aufenthalt (denn nun wurde das Aufstehen wirklich härter) und auf! Noch 15 km. Jetzt hieß es langsam kämpfen. Was in HH die Rothenbaumchausse beim Marathon ist, waren hier die letzen 15km. Wir mussten ja die Hänge auch wieder runter. Mit müden Knien fiel das dann doch etwas schwer. Die Gedanken, die einem so durch den Kopf gehen:
Jetzt heißt es beißen
Keine Schmerzen, keine Schmerzen und dazu die Rockymelodie
Du hast es ja so gewollt, wäre ja noch schöner, wenn man jetzt nichts merken würde
Im Krieg müssten die da auch durch.
Na, wir sind ja noch ganz vorn, was sollen die Anderen wohl erst leiden, die noch Stunden nach uns bei dem Dauerregen ankommen werden.
Ganz am Ende auf den letzen Kilometern noch eine Kapelle mit einem Kreuzweg. Der Kreuzweg war so richtig schön zum Leiden gemacht. Einfach in einer geraden Linie den steilen Berg runter. Wir versuchten es jetzt auch mit der Laufschritttechnik. Nur einfach ankommen und zwar schnell. Peter sagte immer was von „spätestens um viertel vor eins will ich aber da sein, dass habe ich mir so ausrechnet.“ Er entwickelte einen ernormen Ehrgeiz ,dass in dieser Zeit zu schaffen (was auch klappen sollte) Peter ist übrigens 62 Jahre alt und fit wie ein Turnschuh.

Das Ziel.

Um 12.Uhr 38 also gut 2,5 Stunden nach den Ersten erreichten wir das Ziel. Kaum jemand da, die Eltern noch nicht eingetroffen, weil sie noch nicht mit mir gerechnet hatten. Schön war es schon anzukommen und irgendwie komisch. Man stand etwas verloren im Nieselregen rum. Es wurde gratuliert, und ich habe schnell noch ein Interview gegeben. Die Eltern kamen dann doch und konnten die nette Siegerehrung noch miterleben. Der Verkehrsverein spendierte für die 101km Kandidaten noch Kaffee und Kuchen in der örtlichen Konditorei, die wir auch dreckig und stinkend betreten durften.

Wir hätten dann noch ins Hallenbad gehen können (war im Startgeld mit drin), aber die heimische Badewanne war dann doch verlockender. Kurz nach dem Zieleinlauf konnte ich dann auch gleich per Handy über Mayo die Infos für das Forum rüberbringen. Und so war es eine schöne Freude nach der Ankunft zuhause gleich die vielen Beiträge lesen zu können. Vielen Dank dafür. Da mich das so gefreut hat, wollte ich auch einen langen Bericht schreiben, damit ihr das alles gut nachvollziehen könnt. Vielleicht zieht es ja den Ein oder Anderen im nächsten Jahr dann auch mal ins Sauerland, wenn der dritte Hollenmarsch ausgetragen wird.


Es grüßt


Martin


Keine Kommentare: