Sonntag, 16. Januar 2011

18. Berliner Schlenderpolarnacht, oder ein Sommernachtstraum?

Wer nur die Bilder sehen möchte hier lang





Zur Strecke bei GPSies
Die Gesamtstrecke wird nicht in runden 100km angezeigt, da die Strecke zum einen durch das Glatteis leicht verändert werden musste und die Aufzeichnung und Bearbeitung bei GPSies nicht absolut exakt ist sondern stets durch Reduktion der Punkte etwas kürzer als tatsächlich erscheint.
Zur Strecke bei Openstreetmap



Nach kalten Wochen mit Schnee und Eis sah es nach einer wirklich Polarnacht aus in der mit knackigen Temperaturen zu rechnen wäre. Fast trotzig klang es als dann zwei Wochen vor der Veranstaltung der Wanderleiter maile: Die Polarnacht….findest statt.
Zwei Tage vorher dann die Nachricht: Die Polarnacht fällt aus, die Sommernachtswanderung findet statt. Na prima, der meiste Schnee war ja weg und die Temperaturen sollen auch nachts kaum unter 10 Grad Plus liegen. Dafür war dann aber REGEN angekündigt.

Der Wanderleiter hatte sich im Vorfeld gewünscht das ich wieder im Lodenmantel laufen sollte um das Gesamtkleidungsniveau der Wandergruppe etwas zu heben. Da ich kurz vor der Tour auch durch die Vorauswahl der Mittelalterexpedition nach dem Motto: „ Deutschland sucht den Superwanderer“ gekommen war, und auf dem Weg von Rom nach Goslar im 11 Jahrhundert es ja auch kein Goretex gab, entschied ich mich dann auch wirklich für den Mantel. Zur Sicherheit nahm ich noch meinen teuren Treckingschirm von Euroschirm mit.

Um nicht zu hektisch anzureisen und um ein paar Überstunden abzufeiern machte ich mich am Freitag frei und konnte so ganz gemütlich nach langem Ausschlafen und viel hin und her packen entspannt mit dem Zug nach Berlin reisen. Bei der Ankunft in Berlin Wannsee eine halbe Stunde vor dem Start um 20 Uhr erwartete mich schon Bernd, der treu und zuverlässig bei der Polarnacht mitten in der Nacht wundervolle Getränke und Snacks am Eiskeller organisiert. An dieser Stelle noch einmal ein herzlichen Dank für diesen Einsatz.

Eine recht ansehnliche Truppe mit vielen bekannten Gesichtern trudelte bei jeder Ankunft einer S-Bahn oder eines RE Zuges ein. Einige wollten nur die Nacht mitschlendern, andere sollten am Morgen dazu kommen wenn man dann auch wieder etwas ohne Lampe sehen würde.


Die Nachtstrecke führte uns zunächst nach Norden. Es ging am Rand des Grundwalds entlang. Schon bald stellten wir fest, dass die vielbegangenen Waldwege noch sehr fest vereist waren. Darauf regnete es dann leicht und das ganze wurde zur unkalkulierbaren Schlitter- und Schlenderpartie oder Party, je nachdem wie man es nimmt. Witterungsbedingt passten wir die Strecke etwas an und gingen teilweise auf beleuchteten und geräumten Straßen der besseren Wohngegenden von Zehlendorf. Als Stadtplaner für mich auch sehr interessant und deutlich besser zu gehen.

Die erste Rast erreichten wir nach Plan ca. um halb elf. Es handelte sich um die Waldklause. Eine etwas in die Jahre gekommene echte Kneipe. Kaum Licht drinnen, der Tisch voll mit nicht abgeräumten Gläsern, es sah nicht wirklich einladend  aus, aber wir waren angekündigt. Nach einigem Klopfen öffnete die Wirtin und ließ uns auch ein. Die Ankündigung dass noch mit Wanderern zu rechnen war, war ihr dann wohl entfallen. Trotz der späten Stunden bekamen wir dann aber doch noch recht zügig und ohne dass die Bestellungen aufgeschrieben wurden unsere Getränke. Da  zeigte sich die Professionalität der Bedienung die in Jahrelanger Tätigkeit entstanden war. Andere etwas schickere Gastronomiebetriebe auf sollten bei dieser Wanderung nicht so zügig arbeiten…




Weiter ging es durch die Nacht in Richtung Urbanität nach Spandau wo ja der Mc Donalds für Nachtschwärmer und Nachtwanderer stets ein Herz hat und man auch um ein Uhr Nachts sich noch Sportlergerecht mit Big Mac Menus für die Nacht versorgen kann. So mancher der Mitwanderer hat den Schnell Bräter nicht so häufig auf der Liste der aufzusuchenden Gastronomiebetriebe. Aber zu dieser Zeit und zu diesem Anlass ist Mc Doof dann schon eine nette Sache und der Cappuccino für 1 Euro ist sagenhaft günstig und lecker. Da kann man nicht meckern.




Weiter durch die Nacht ging es nach Falkensee und dann mussten wir doch noch richtig in die vereisten Wälder in Richtung Eiskeller, wo die Temperaturmessung (8 Grad Plus!) stattfindet. Es war ein rechtes Schlittern und Schlendern. Dazu noch Nieselregen mal mehr mal weniger. Begehbar war oft nur der Rand von vereisten Wegen. Kurz vor dem Eiskeller kam es auch noch zu einem Verlaufer. Während der Wanderleiter und ein Teil der Gruppe sich schon an warmen Getränken erfreute standen die anderen die weiter vorn waren, aber einen Abzweig verpasst hatten, etwas dumm im Wald herum und warteten. Dann ging es quer durch den Wald in Hoffnung den Eiskeller zu finden, was dann auch gelang. Dort durften wir dann auch noch einen Cafe oder einen alkoholfreien Glühwein zu uns nehmen bevor wir zügig wieder los mussten um den Zeitplan einzuhalten. Das nächste Ziel auf das wir uns freuten war die Bäckerpause  im Café Hakenfelde. Dort kann man wirklich nett sitzen und prima frühstücken. Nach Zeitplan, der noch ganz gut klappte sollen wir um 6 Uhr dort sein. Erstaunlich wie viele Leute dort schon so früh Brötchen holen! Auch in Spandau wo wir dann zum zweiten Mal in dieser Nacht bzw. jetzt am Morgen vorbeikamen war schon richtig was los so gegen halb acht an einem Samstagmorgen. Hier kamen noch einige Leute zur Gruppe hinzu während Andere sich nach der Nacht verabschiedeten. 



 Die Tagesstrecke sollte bei dieser Polarnacht, bzw. dem Polartag nach der Nacht, landschaftlich besonders schön sein. Der Wanderleiter Wolfgang hatte sich ausgedacht, dass wir mal das Naturschutzgebiet Döberitzer Heide wandern sollten. Früher ein militärischer Übungsplatz, heute ein tolles Naturschutzgebiet. Man sollten aus verschiedensten Gründen (Munition und große wilde Tiere vor allem) die Wege dort nicht verlassen. Aber auch auf den Wegen ist die Natur beeindruckend. 

Doch erst einmal mussten wir dorthin kommen, denn die Heide liegt ganz schön weit westlich von Spandau. Und vor der Heid lag ja noch der Havelpark. Ein nichtzentrenintgriertes schmarotzendes Einkaufszentrum, dass wohl angelegt wurde um ordentlich Kaufkraft aus Spandau abzusaugen, auf das dort das Zentrum nicht zu attraktiv würde… Lästermodus wieder aus.

Auf jeden Fall durften wir hier nach Plan von 9:25 bis 9:40 eine Powershoppingtrinkpause machen. Ein Mal rundgeflitzt. Der Mathematiker erkannte beim Bäcker nach Nachfrage auch dass eine Platte Kuchen ein Stück ist das man schneiden kann und man dann vier Stücke hatte. Das nahmen er und seine Gattin dann stielecht vor einem Kamin zu sich mit freiem Blick auf ein beeindruckendes Angebot von Blumensamen. 



Nach Ablauf der Pause wurden die Besucher des Nordseerestaurants (dort konnte man Bier kaufen) angetrieben nun zügig wieder die Wanderung aufzunehmen, es sei bereits 9:41 und man sei in Verzug. Es geht doch nichts über eine gute Zeitplanung bei einer 100 km Wanderung!

Jetzt ging es also raus in die Natur. Und passenderweise kam sogar die Sonne mal ganz zaghaft mal für ein paar Minuten hervor bevor sie sich wieder hinter Wolken versteckte. Aber es sollte am Tag dann weitgehend trocken bleiben. Im Naturschutzgebiet war es dann wirklich nett. Teilweise natürlich auch hier Eis, aber jetzt war öfter mal Schlamm und Matsch das Problem. Um nicht völlig nasse Füße zu bekommen musste man teilweise recht umständliche Umwege durch das Unterholz vornehmen. Unterwegs sahen wir dann aber sogar noch Urpferde und Hirsche sowie Büffel. Wo hat man so etwas sonst schon!  


Auf der Strecke kam mir dann ein Läufer entgegen der mich mit Namen ansprach. Erst guckte ich verdutzt und im Weiterlaufen rief er noch  „Acki“ Ah, ein Bekannter aus dem Internetforum von Laufen-aktuell.de den ich vor Jahren mal auf Laufveranstaltungen getroffen hatte. Später dann noch eine hübsche junge Frau in Laufdress die sich als Sinchen ebenfalls aus dem Forum zu erkennen gab. Mit ihr hatte ich vorher schon über die Wanderung gesprochen und so konnte sie den Wanderleiter gleich zu tollen Bergen für Berglauftraining im Berliner Umland befragen.

 Der Abschnitt bis zum Mittagsessen war recht lang und so freuten wir uns dann als wir in der Tenne ankamen wo wir für 13:30 zum Mittagessen erwartet wurden. Wir lagen noch recht gut im Zeitplan, aber jetzt passierte das was gern mal bei so was passiert. Die Bedienung war allein und recht überfordert alles zügig zu bringen was gewünscht war. Und wir hatten dann doch richtig Durst und auch richtig Hunger. Irgendwann kam auch alles, allerdings erst kurz vor der geplanten Abmarschzeit von 14 Uhr 40 Der Wanderleiter hatte aber noch ein Dessert bestellt, das natürlich erst serviert wurde als alle das Hauptgericht aufhatten und Zeitplan der vorher recht minutiös eingehalten wurde langsam aber sicher verlassen wurde. Nun gut am Ende hatten auch alle bezahlt und waren satt. Man hatte sich gut erholt und so ging es zügig auf die letzten 20km. Es hieß im Zeitplan ja auch: Die angegebenen Zeiten sind Richtwerte, kein Anspruch auf Einhaltung!

Allerdings hatte ich meinen Zug für 18:38 ab Wannsee gebucht und wollten den gern erreichen. Andere, die noch weiter reisen wollten hatten es nun auch eiliger und so beschlossen wir auf dem Weg zur Glienicker Brücke, dass wir auf die 20 minütige Trinkpause bei der Pfaueninsel verzichten wollten. Wir bekamen nun schon unsere Urkunden und machten uns mit vier Personen auf den 10km langen Endspurt. Mit 6-7km/h gingen wir nun im engen Verband am sehr schönen Ufer der Havel entlang, nachdem wir die bekannte Glienicker Brücke, wo früher die Agenten ausgetauscht wurden, passiert hatten. Inzwischen war es dann auch wieder dunkel, aber die Abendstimmung am Ufer mit Blicken auf die Havel war wunderschön. Das letzte Stück führte und durch die absoluten Premiumwohnlagen am Westufer des Wannsees. Hier ließ es sich wirklich gut wohnen! 

 Kurz nach 18 Uhr erreichen wir dann letztendlich sogar 20 Minuten vor dem Zeitplan den Bahnhof Wannsee. Schnell noch ein Bier am Kiosk und rein in den Zug nach Berlin. Am Hauptbahnhof noch ein kurzes Päuschen und schon kurz nach 21 Uhr war ich wieder in Hamburg und recht bald dann auch dort im Bett. Der Schlaf war fest und tief und heute am Sonntag ist nun Regeneration und Entspannung (inklusive Bilderhochladen und Bericht schreiben angesagt)

Zusammenfassend war es eine schöne Wanderung unter nicht leichten Bedingungen. Besonders die Tagesstrecke war landschaftlich beeindruckend. Ein Dank auch hier noch mal an den Wanderleiter Wolfgang Pagel der diese schöne Wanderung wieder prima vorbereitet hat. Polarnachtschlendern mit Wolfgang ist immer wieder nett!

Kleiner Hinweis:
Bitte auch die Werbeanzeigen rechts beachten, besonders wenn der Bericht gefallen hat...

Kommentare:

Jörg hat gesagt…

Coole Sache und spannend zu lesen - also wenn es mal nicht mehr mit laufen klappt ;-)

Jürgen hat gesagt…

Tolle Runde! Da wäre gern dabei gewesen, wobei Eis und Regen in der Nacht nicht wirklich attraktiv sind. Aber wie sagtest du mal so richtig: "Strongwalker zeichnen sich durch eine besondere Leidensfähigkeit aus"