Sonntag, 5. April 2009

Waldhessenlauf 2009

Eine Veranstaltung die einfach Spaß gemacht hat

Hier geht es zu allen Bildern die Jan und ich gemacht haben.

Hier zu den Videos nach dem langen Marsch von Kurt aufgenommen

Hier zu einem Video das ich kurz vor Schluß von mir selbst gemacht habe.

Hier geht es zu einem schönen Bericht von meiner Lieblings-sechs-Stunden-mitläuferin Heike

Hier zu einem interessanten Bericht vom "Nachtzeche" über seinen ersten 6 Stunden Lauf

Hier geht es zu einem Bericht aus dem Laufticker.de von Gabi Gründling

Hier geht es zu einem kurzen und kurzweiligem Bericht von Jörg


und hier ist jetzt mein Bericht:

Kreislauf in Waldhessen


Eigentlich ist es gar kein Kreis, den man da in Rotenburg an der Fulda läuft oder walkt. Es geht ein wenig hin und her durch einen netten Park am Schloss. Schon 2006 und 2007 hatte ich jeweils sechs Stunden auf der Strecke verbraucht und dabei auch ca. 100km in der Summe zurückgelegt. Dabei war es mir nie langweilig geworden. In diesem Jahr wurden dann auch zum ersten Mal 100km am Stück angeboten. Es sprach eigentlich nichts dagegen dann auch mal 100km auf dieser unterhaltsamen Runde zu walken, zumal ich mich im letzten Jahr mehr und mehr auf die 100km Entfernung fixiert hatte. Die meisten der letzten Wanderungen über 100km waren allerdings eher „Schlenderwanderungen“ wo es gemütlich zuging im Tempo von 5-6km/h und mit reichlichen Pausen in verschiedensten Gaststätten. So dauerten diese Touren dann meist auch so 21-22 Stunden. Wenn mein Wanderkollege Kurt aus München und ich zügig walken und uns trotzdem noch Zeit für ein Weizen, ein Bäckerfrühstück und eine Aussichtsturmbesteigung bei bergiger Strecke in Jena nehmen, ja dann konnten wir auf diese Weise dennoch auf meine bisherige Bestzeit von etwas unter 17 Stunden kommen. Es war also an der Zeit einmal zu sehen wie zügig auf ebener Strecke, bei optimaler Verpflegung und Infrastruktur es denn in Rotenburg gehen würde.

Gesagt getan wurde das Ziel dann mal vage so formuliert: Also eine neue Bestzeit sollte drin sein. Schön wäre eine Zeit mal unter 16 Stunden. Das ganze so als Ausdauertest für mich selber, nicht als Wettkampf gegen andere. Wandern ist kein Wettkampfsport, das habe ich inzwischen gelernt und das ist auch das schöne daran. Aber dies war ja eigentlich eine Laufveranstaltung und als Walker musste man da schon erst mal die 100km in 18 Stunden schaffen um überhaupt in die Wertung zu kommen. Es bot sich also an es einfach mal zu probieren.


Nach zügiger Anreise mit Tess und Steilküste im nagelneuen Fiat erreichte wir Rotenburg. Großes hallo mit einigen Bekannten. Beim Italiener im Park hatte ich einen Tisch reserviert für die Sportler aus dem Forum von Runners World das in der guten alten Zeit mal „laufen-aktuell.de hieß. Es gab für mich sehr leckere Nudeln und es wurde sich nett unterhalten. Alles war in großer Vorfreude. Ein Teil startete ja schon am Abend, der Rest der „Sprinter“ erst nach 12 Stunden am Samstagmorgen. Als Kleidung entschied ich mich für Kompressionstrümpfe, lange Hose und Kniebundstrümpfen darüber. Das hielten mache wohl erst für einen Scherz. Auch als ich meine Wüstenkappe dann schon mal als Kopfbedeckung für die Nacht auswählte fanden das wohl auch nicht alle normal. Nur: Normal waren die da auch alle nicht, denn wer rennt schon freiwillig 100km auf einer winzigen Runde durch einen Park und findet das auch noch schön? 15 Minuten vor dem Start fing ich dann noch gemütlich an die Zähne zu putzen auch wenn es jetzt nicht schlafen ging. Auch das schien zu verwundern, aber Zahnpflege soll doch sein. Dann aber schnell zum Start



Start der 100km Läufer (und Walker)


Erster 3 Stunden Abschnitt.

Als Strategie hatte ich mir das Ganze in 3 Stunden Blöcke unterteilt. Das macht das ganze überschaubar und man kann ganz einfach rechnen: In drei Stunden kommt man bei zügigem Walken ca. 20km weit. Also hat man 5 solche Blöcke für 100km. Dazu kommen dann halt die Pausen und der Aufschlag wenn es langsamer wird. Nach drei Stunden wird immer etwas gegessen und kurze Rast gemacht was aber weitere Nahrungsaufnahme zwischen den Pausen und Trinken nicht ausschließen sollte.

Nach einem Mundharmonikaliedchen wurden wir um 22 Uhr auf die Strecke geschickt. Start war etwas vor dem Zieldurchlauf, damit man nach 87 Runden genau auf 100km kam. Das mit dem Zählen ließen Kurt und ich schnell nach den ersten paar Runden sein. Kurt stoppe immer schön die Rundenzeiten die immer unter 9:30min pro Runde lagen. Damit waren wir recht zügig mit einem Schnitt von ca. 8,5min/km bzw. ca. 7km/h unterwegs. Das war genau das Tempo, dass wir beim Marathontraining auf maximal 4 Stunden in der Gruppe trainierten. Dass ich das ein paar Stunden gut machen kann wusste ich. Auch dass ich das mit längeren Pausen recht lange so durchziehen konnte wusste ich von meinem 24 Stunden Marsch in Dänemark. Nur wie es sein würde mit sehr kurzen Pausen und hohem Tempo wusste ich noch nicht. Ich ahnte aber, dass es schwierig sein würde das Tempo so zu halten.

Die ersten Stunden gingen munter und problemlos von Statten. Am Anfang waren noch einige Fans an der Strecke, die nach und nach verschwanden. Dann waren die Langstreckler allein und zogen mit oder ohne Lampe durch den Park.


Die Kampfwalker durcheilen die Kontrollstelle


Zweiter Abschnitt. 1 Uhr bis 4 Uhr in der Früh

Die erste Pause war gut aber auch sehr kurz. Nur 4 Minuten saßen wir kurz zum essen und dann eine langsamere Runde. So war die Strategie, die auch gut tat. Dann ging es wieder zügiger weiter. Nach und nach gingen dann auch noch die Straßenlampen aus, aber der Mond schien und man brauchte die mitgebrachte Taschenlampe eigentlich nicht. Nur dauerte es einige Zeit bis man die Wurzeln alle „gelernt“ hatte. Ich kam mir so vor wie der Butler in 90en Geburtstag der immer wieder über den Tigerkopf stolpert…


Dritter Abschnitt. 4 Uhr bis 7 Uhr.

So langsam merke ich das Tempo. Und unter dem Fuß tut sich an der rechten Hacke auch was. Ich hatte nicht wie schon öfters über die Kompressionssocke eine weitere dünne Socke angezogen. Eine große Blase war unter der Hacke in Entstehung. Gut das ich rechtzeitig die Vorzeichen erkannte und reagieren konnte. Schuhe wechseln, Socken wechseln, Füße cremen. Sofort ging es besser! Es wurde langsam hell. Ich merkte es viel mir mehr und mehr schwer das Tempo weiter zu halten. Es war einfach nicht mehr genau mein Schritt. Zwar ging es vielen der Läufer wohl auch so, oder noch viel deutlicher so, aber ich konnte mit Anstrengung den Schritt noch eine ganze Weile noch mithalten. Nur es tat nicht mehr so richtig gut was ich da machte. Als ich nach einer kurzen Pinkelpause versuchte leicht laufend wieder an Kurt ran zu ziehen ging das einfach nicht mehr. Es ging auch auf die 7 Uhr Rast zu und ich ließ ihn ziehen. Sofort merkte ich dass ich in „meinem Schritt“, der gar nicht so viel langsamer war als der von Kurt, einfach deutlich besser drauf war. Die Hälfte war jetzt rum, und der härtere Teil würde ja noch kommen. Daher stand mein Entschluss jetzt fest, dass ich einfach mein Tempo gehen musste und es würde schon klappen.


Vierter Abschnitt von 7 Uhr bis 10 Uhr

Die „Sprinter“ kamen langsam alle aus ihren Betten um mal an der Strecke zu sehen wer so läuft oder auch nicht mehr läuft. Einige der Langstreckler waren wirklich erstaunlich fit und es war bewundernswert wie z.B der von uns „Gazelle“ getaufte Läufer locker und leicht bis zum Schluss durchlief. Auch mehrere gut aussehende Frauen, die in der Nacht nur als Schatten immer wieder an uns vorbeizogen, sahen bei Tageslicht nach wie vor in jeder Hinsicht noch sehr gut aus. Andere litten jetzt sichtlich. Waren am Anfang doch fast alle schön gelaufen, so wurde dann jetzt schon ca. die Hälfte zu Walkern oder Wanderern. Einige weil sie einfach wohl nicht mehr durchlaufen konnten, einige auch wohl als Taktik und in den Gehpausen noch mit recht forschem Schritt.


Fünfter Abschnitt von 10 bis 13:15 Uhr.

Zur Begrüßung des Morgens hatte ich noch etwas Mundharmonika gespielt und ab und an ein Liedchen angestimmt. Auch bei den Rundernzählern hatte ich immer ein Scherzchen oder ein Liedchen auf den Lippen und auch die fleißigen Helfer etwas aufzuheitern, denen man nur vielmals für ihren tollen Job danken kann. Ich wechselte für die letzte Etappe noch einmal das Outfit. Warme Kniestulpen ausgezogen. An die Füße jetzt zum „auslaufen“ die MBT Sandalen und Obenrum ein kurzes Freizeithemd mit Rückbeschriftung „Martinwalkt“ hintendrauf. So wurde ich aufgrund der Beschriftung, oder auch weil mich inzwischen recht viele der Teilnehmer wohl kannte häufig angesprochen, als dann die 6 Stunden Läufer auf der Strecke waren und die Meisten 100km Läufer sowie alle 12 Stunden Läufer ja fertig waren. Es war eine nette Abwechselung, denn nun wurde es ja auch erwartungsgemäß anstrengender.



Ich freute mich immer wenn meine Lieblingssechsstundenmitläuferin Heike an mir vorbei kam. Sie sah einfach wieder super aus in ihrem lustig bedruckten shirt und war einfach die ganze Zeit immer gut drauf. Nur das sie jetzt, anders als vor zwei Jahren deutlich schneller war und wir immer nur ganz kurz ein paar nette Worte beim Überholen wechseln konnten.


Heike, immer nett und gut gelaunt unterwegs



Gute Laune ist ansteckend


Kurt wollte die 15 Stunden unterbieten und erarbeitete sich einen Vorsprung von 2 Runden. Beim Hochrechnen war klar, das er dieses Ziel gut erreichen konnte und das für mich eine Zeit unter 15 Stunden nicht drin war. Aber es war für mich auch völlig in Ordnung. Es war klar, das ich den mit Abstand schnellsten 100er walken würde, den ich je marschiert war. Oft wurde ich von den 6 Stunden Läufern auf den letzen drei Stunden gefragt wie viele Runden ich noch hätte. Ich sagte immer: Weiß ich nicht, ist mir auch egal, es ist rum wenn es rum ist. Irgendwann zwischen 13 Uhr und 13:30 werde ich wohl ankommen. Ich war ganz gelassen vom Kopf her. Nie der Gedanke auf der ganzen Tour das es langweilig sei, nie die Frage des Warum, nie der Gedanke auf vorher aufhören. Ich wusste einfach dass es am Ende immer etwas anstrengender ist. Das sah nicht wirklich elegant aus, das war nicht mehr ganz so schnell, aber es war kein wirklicher Einbruch.


Eine gewisse Anstrengung zeichnet sich ab.


Runde für Runde kam ich dem Ziel näher. Auf der letzten Runde riss ich mich noch mal etwas zusammen um so gut es geht noch etwas zu beschleunigen. Kurt hatte ich für das Siegerfoto vorher die Kamera in die Hand gedrückt. Sehr freudig marschierte ich ins Ziel ein. Viele der Läufer hatten schon unterwegs mitgekriegt, dass es die letzte Runde war und mir schon gratuliert und gut zugesprochen. Es war sehr schön einzumarschieren und ich ahnte dass der härteste Teil erst nach der Tour jetzt kommen würde.



13:15 bis nach Hamburg

Kurt hatte ja schon einige Zeit auf der Bank im Ziel verbracht und riet mir mich gar nicht erst lange hinzusetzen, da man kaum aus der Bank wieder raus käme. Ich dachte mir es sei dann ganz schlau vielleicht direkt in die JH zu gehen und schnell zu duschen bevor ich abbaue. Nur: So schnell kam ich gar nicht die Treppen rauf wie der ganze Kreislauf nach dem Kreisgelaufe (Dieses Wortspiel musste noch eingebracht werden…) in den Keller ging.

Nur sehr, sehr mühsam und im Zeitlupentempo kam ich mit Waschbeutel, Wechselklamotten und Handtuch überhaupt in Richtung Dusche. Die Stufen wurden jetzt zum Hillary Step am Everest. Jeder Schritt schmerze extrem. In der Dusche dann das nächste Problem: Wie komme ich jetzt aus den Sachen, in die Dusche, und später das ganze wieder zurück. Eine kurze Zeit saß ich auf der Toilette und dachte ich müsste vielleicht erbrechen. Es wurde mir schwindelig. Dennoch drängte es mich diesen extremen Zustand zu dokumentieren und ich machte noch Fotos von mir und meinen Füßen für die Weltöffentlichkeit. Damit man sich erinnern möge wie schön so eine Veranstaltung ist wenn man sich wieder anmeldet…

Irgendwie kriegte ich das dann alles hin mit dem Duschen und auch wieder den Weg zurück. Aber so heftig hatte ich einen derartigen Abbau noch nicht. Wieder eine Erfahrung mehr, das man dann doch erst mal ganz langsam runter kommen sollte.

Im Zeitlupentempo ging es dann mit Kurt und Walter zum Italiener. Bei Cappuccino und Eisbecher ließ es sich trefflich den Sprintern zusehen wie sie ihre Runden noch drehten. Immer wieder konnte ich Heike und die anderen Bekannten anfeuern und noch ein paar letzte Bilder machen.


Zur Belohnung ein leckeres Eis


Auch ein schöner Videomonolog wurde dort von Kurt von mir aufgenommen….

Was habe ich also nur gelernt bei dieser Veranstaltung (Irgendwas lernt man ja immer)


Körpergefühl

Wenn es um das Testen der eigenen Leistung geht sollte man sich am eigenen Körper orientieren. Mit der Zeit wird ja auch das Körpergefühl verbessert und es war erstaunlich was eine kleine Temporeduzierung auf den „eigenen Schritt“ während der zweiten Hälfte für einen Erleichterung war.


Wettkämpfe und Bestzeiten

In diesem Fall war es gut und richtig mal eine neue Bestzeit zu versuchen und mal etwas herauszukitzeln was so geht. Ich brauche das aber nicht jedes Mal und immer wieder neu. Es macht mir genauso Spaß bzw. noch mehr Spaß das sportliche Wandern einfach so mit Freunden in der Gruppe und mit ordentlichen Rasten unterwegs ohne Zeitziele im Hinterkopf zu machen. Unterwegs kann trotzdem zügig und sportlich gegangen werden. Aber wenn dann morgens um 11 auch noch eine Frühstückspause mit Weizenbier drin ist erhöht das den Erlebniswert beachtlich.


Waldhessenlauf

Die Veranstaltung war wieder mal prima organisiert. Immer wieder finde ich es nur seltsam wie wenig der Ort Rotenburg Fulda daraus macht. Man hat das Gefühl, dass es sich um eine reine Insiderveranstaltung handelt für die sich von der „normalen“ Bevölkerung kaum jemand interessiert und die wohl auch nicht einmal in diesem kleinen Städtchen irgendwie bekannt ist. Keine Presse, keine Plakate, Kein Bürgermeister mit Grußbotschaft und Startpistole oder ähnliches. Dabei reisen da Sportler aus ganz Deutschland und auch aus Österreich und der Schweiz an und vollbringen ja durchaus beachtliche sportliche Leitungen






1 Kommentar:

Jörg hat gesagt…

Martin irgendwie bist du wenigstens ein kleiner Held.
Superzeit! Gratulation.

Jörg