Montag, 19. Januar 2009

Polarnacht 2009 – schlittern ohne zu schlendern.

Nein, geschlendert wird nicht auf der Polarnacht in Berlin. Weil ich dieses böse Wort verwendet hatte, im Internet das nichts vergisst, habe ich bei der Polarnacht vom Wanderleiter Wolfgang höchstpersönlich die gelbe Karte gezeigt bekommen. Ich mache als mit diesem Bericht die angemessene Gegendarstellung. Wenn überhaupt dann wird geschlittert bei der Polarnacht und Alkohol soll eigentlich auch gar nicht getrunken werden dabei. Jawohl! Doch von Anfang an.

Dieses Mal sollte es in Potsdamm losgehen. Verabredet war ich mit den Herren Trampler (Kurt aus München) und dem Tiefsachsenwanderer (Oliver) aus der Lausitz zum „pickern“ vor dem Marsch. Pünktlich um 19:10 und 19:11 trafen die Beiden dann mit unterschiedlichen Zügen in Berlin ein. Frau Tellertaxe (Kathrin) war auch da. Ich hatte ihr eingeschärft sie solle sich vorstellen der Marsch würde um 19 Uhr beginnen damit sie es pünktlich schafft. Die Masche funktionierte also.

Erst mal noch ein paar schnelle Nudeln beim Asiafuzzy, die lange Tighthose unter die grüne Cordkniebundhose und dann ab zum Treff in der Schalterhalle. Das gleiche Panoptikum von seltsamen Typen gab sich ein Stelldichein. Wanderleiter Wolfgang gab wie gewohnt eine kurze Einweisung und wir stiefelten los.

Ganz wunderbar die Strecke entlang des Tegeler Sees. Was etwas irritierte war die weiße Schneedecke und die Eisschollen….Vorher hatten wir noch im Forum über Eis und Schnee und über Spikes gewitzelt. Spikes wären aber bei dieser Tour wirklich eine gute Idee gewesen. Ca. 90 % der Strecke war entweder mit Schnee, oder Eis oder aber mit beidem zu begehen. Das ging mal gut mal weniger gut, aber es war nie einfach nur leicht. Es sollte wohl kein ganz einfacher Hunderter werden.

So kurz vor 1 Uhr war nach 22 km die erste richtige Rast in der Raststätte Stolper Heide angesagt. Leicht verwundert schaute man uns an. Currywurst in der Mikrowelle heiß gemacht, das hatte ich auch noch nicht erlebt. Die Tagesgulaschsuppe war zwar nicht sehr heiß (Mikrowelle wohl etwas kurz getaktet) aber sie schmeckte gar nicht schlecht und es war auch richtig viel….leider kriegten die letzten der Gruppe dann keine Suppe mehr. Ich trank ein kleines Alsterwasser zur Suppe und füllte dann ein mitgebrachtes Redbull nach. Das verleiht ja bekanntlich Flügel und sollte mich über das Eis tragen. Das mit dem Tragen hat zwar nicht ganz geklappt, aber müde wurde ich bei dieser Tour nie. Einerseits musste man sich ja stets konzentrieren nicht auf dem Hosenboden zu landen andererseits hatte ich noch eine neue Getränk das ich ausprobieren wollte: Ein Mischung aus Ultrabufferpulver und Fertigcappuchino angemischt mit heißem Wasser in einer Thermoskanne. Das kam jedoch später zu Einsatz.

Erst mal ging es durch Hennigsdorf und den Berliner Forst bis wird dann irgendwann wieder am Eiskeller waren. Pünktlich um 4:20 erschien dort auch wie bestellt der Bernd mit alkoholfreiem Glühwein und mit Kaffee. Beides war vorzüglich. Die Temperaturmessung ergab Minus 2 Grad, gefühlt nach etwas Rumsitzen aber kälter. So wurde diese Pause dann auch nicht zu lang und alle freuten sich auf das beliebte Bäckerfrühstück.

Das Frühstück war dann auch die schönste Einkehr dieser Tour. Ein Riesencafe mit guter Auswahl und netter Bedienung. Leckere frisch belegte Brötchen, Nougartcroissants, süße Teilchen. Da konnte ich mich gar nicht entscheiden und nahm alles drei. Dazu zwei große Pott Cafe und der Morgen konnte starten. Nicht ohne mir vorher noch heißes Wasser für meine Spezialmischung abfüllen zu lassen.

Wir passierten kurz danach dann wieder den Startpunkt Bahnhof Spandau und gabelten dort noch ein paar Hardcorewanderer auf. Die anderen Wanderer dort hatten zwar die schöneren Hüte, wollten aber nicht ganz so weit marschieren.

Erst mal ging es westlich aus Spandau raus um dann wieder nach Osten zu schwenken und an die Havel zu kommen. Frau Tellertaxe hatte erst noch gute Laune, dann auf der Brücke Stimmungswechsel zu müde und keine Lust und ist noch soooo weit Laune. Kurt und ich versuchten vergeblich sie aufzuheitern. Das Wirtshaus Schildhorn war unser Mittagsziel.

Endlich bei der Mittagrast angekommen dauerte es schon recht lang mit den Getränken. Obwohl wir schnelle Gerichte auswählten (Vorzugsweise Suppe und Bauernfrühstück) dauerte es recht lang. Dafür war dann der Getränkeumsatz deutlich höher als vorgesehen und die Portionen etwas kleiner und dafür teuerer als nötig. Aber was soll’s. Ich machte noch nette Bekanntschaft mit einer jungen Frau mit zwei Hunden. Praktischerweise hatte ich ja auch Visitenkarten mit Name, Adresse, Blog, nächste Wanderungen dabei….also Melde dich J

Kurt verabschiedete sich nach der Rast um eine Sprinteinlage hinzulegen. Der Rest marschierte tapfer den sehr schönen aber jetzt bei dem Eis auch sehr anspruchsvollen Weg am Ostufer der Havel entlang. Dann wurde gequert zum Schlachensee. So langsam wurde es schon wieder Abend und die Strecke wurde immer glatter. Die Sonne hatte das Eis angetaut und jetzt zog es wieder an. Mit 80km in den Beinen nicht wirklich nett.

Es kam jetzt der Punkt wo Frau Tellertaxe sich verabschiedete. Zu groß war wohl die Verlockung auf das Bett und die Dusche zu Hause, und die öffentlichen Verkehrsmittel waren nicht fern. Der Rest der Truppe hatte allerdings auch die Nase von der Schlitterei langsam voll und auch dem Wanderleiter Wolfgang, der die Tour ja hervorragend vorbereitet hatte bekam nun bedenken das es mit Einbruch der Dunkelheit der Glätte und der Müdigkeit jetzt doch vielleicht etwas gefährlich wäre auf der ursprünglichen Strecke weiter zu wandern.

So kam es das wir jetzt relativ direkt anstatt in weiteren Schlenkern Kurs auf Spandau nahmen. Dabei nutzen wir teilweise Straßen die zwar stark befahren aber relativ gut in den Seitenstreifen zu begehen waren und einen bereiten relativ gut zu begehenden Weg durch den Wald in Richtung Norden.

Durch diese Streckenänderung die absolut den Witterungsverhältnissen angemessen war der Hunderter am Ende zwar etwas kürzer, aber durch die Schlitterei (selbstverständlich ohne jemals zu schlendern) dann doch vom Energieaufwand und der Leistung mindestens ein voller Hunderter. Somit konnten dann alle die in Spandau nach ca. 22 Stunden wieder ankamen mit gutem Gewissen die Urkunde für die 16 Berliner Polarnacht entgegen nehmen.

Wieder war es ein ganz besonderes Erlebnis. Trotz der Glätte ist niemand zu Schaden gekommen und der Wanderleiter hatte die Tour mit Augenmaß geplant und im richtigen Moment die Strecke den Witterungsverhältnissen angepasst. An dieser Stelle noch einmal einen herzlichen Dank für die Organisation und durch Familie Pagel und auch ein Dank an Bernd der Mal wieder pünktlich mitten im Wald mit diesen wunderbaren Thermoskannen voller heißer Getränke auftauchte. Der erste Hunderter in diesem Jahr war ein tolles Erlebnis und ich hoffe dass noch einige schöne lange Kanten in 2009 folgen werden.

Alle Bilder von Kurt

Alle Bilder von mir (Akku war schnell alle)

Zum Bericht bei Runners Word im Forum von mir

Zum Bericht den Kurt über die Wanderung geschrieben hat

Kommentare:

viti111 hat gesagt…

Schöner Bericht!
Danke, Martin.
Ich wäre ja so gerne noch mit Euch auf die schneebedeckten Gipfel des Grunewalds gestiegen.
Vielleicht klappt's mal mit einer Polarnacht in schönem pulvrigen Neuschnee.

viti111 hat gesagt…

Schöner Bericht!
Danke, Martin.
Bloß, wie bist Du so schnell von Potsdamm nach Spandau gekommen?
Ich wäre ja so gerne noch mit Euch über die restlichen schneebedeckten Gipfel des Grunewalds geschlendert, schon um unserem Freund aus dem Vogtland einmal richtige Berge zu zeigen.
Vielleicht klappt's mal, eine Polarnacht im schönen pulvrigen Neuschnee zu gehen ...
Wolfgang