Dienstag, 29. Juli 2008

Smoerum Classic 100km

Wieder ein 100 er an diesem Wochenende. Ein Bericht und viele Bilder folgen noch. Hier schon mal Bilder von der Homepage der Veranstaltung.

und hier ein Zombiwandervideo...

Jetzt dann auch alle Bilder vom Marsch. For all the pictures of smorum Classic click

here

So, wie 62 km in Dänemark so ablaufen habe ich ja nun schon beim Gendarmenweg des öfteren erlebt. Mein neunter 100er sollte ein dänischer hunderter in der Nähe von Kopenhagen sein. Smoerum Classic. Mein erster Hunderter der am Morgen startet und in der Nacht endet.

Wie geht nun so ein "smorum Classic?"
Man setzt sich in den Zug nach Kopenhagen. Dann mit dem Vorortzug und dann mit dem Bus bis zu einer Schule am Rande einer Vorstadt. Dort angekommen wird man freundlich begrüßt. Man sucht sich einen Schlafplatz in einem Klassenraum checkt ein, bezahlt 35 Euro für Startgebühr, zwei Übernachtungen, zwei Mal Frühstück Mittagessen und Abendessen all inclusive. Bier kostet Extra der halbe Liter vom Fass ca. 2 Euro.

Überall dänische Wanderprofis mit tollen T-shirts auf denen möglichst hohe Zahlen wie 100 x 100km 200X100km 300 X100km oder 562X 100km steht. Manchmal steht auch nur was von 300km oder 190 km oder 24 h drauf. Das war dann in der Woche oder am Stück. Na gut, meine Totenkopfshirt von der Dodentocht habe ich auch dabei, ziehe ich das halt zum Abendessen an.

Nach Abendessen und drei großen Bechern Bier geht es auf die Luftmatratze. Um 20 vor 5 wird am Samstag geweckt. Es gibt vor dem Marsch noch ein Frühstück und dann die Einweisung von Conni. Die erzählt allerhand auf dänisch und hält Absprerrbänder und Reflektoren hoch...Aha, wird wohl die Streckenmarkierung sein. Am Ende schmeißt sie ihren Plastikponscho mit Schwund auf den Boden, was wohl so viel heißt wie: Heute regnet es nicht, es wird heiß.

Pünktlich um 6 Uhr geht es los. Die ersten in recht zügigem Tempo. Richtig schnell rennen nutzt aber nichts denn hier gelten folgende Regeln. "The rest-stops are opened at 6,5km/h and closed at 4,5-4,2 km/h" Aha..."The times must be respected..... " und: "beer and soft drinks can be bought at every rest Stop" (davon gibt es 12!)

Dinner gibt es dann von 17-20:45 und die zweite Strecke "will commence at 18:00 Hours" Man läuft also erst mal 64 km ist dann wieder an der Schule, kann Abendessen und dann geht es auf eine weitere Runde ab 18 Uhr in der Nacht...

Aber erst mal zurück zum frühen Morgen. Die Sonne wirft lange Schatten und bald gelangen wir an einen schönen See. Dort ist auch die zweite sehr reizvolle Rast bei der schon fleißig vom Angebot des Bierkaufens Gebrauch gemacht wird. Mein Wanderkumpan Jörn, mit dem ich mich zusammengetan habe, und ich sind aber noch brav bei Limonade und Cafe. Jörn ist einen Kopf kleiner als ich, hat aber exakt meine Schrittlänge und mein Tempo. Er bereitet sich auf Bergesteigen in Südamerika vor. Über 5000 Meter soll es hoch gehen. Er erklärt mir viel über die Landschaft und die Besonderheiten der Region, vielen Dank dafür Jörn.

Zum Mittag gibt es irgendwo in an einer Rast leckere Brote und ein erstes Bierchen. Jörn erklärt mir das man ruhig alle 6 Stunden ein Bier trinken kann. Gute Idee bei ca. 30 Grad Hitze. Durst ist da vorhanden.

Munter geht es immer weiter durch recht nette Landschaft. Immer mal wieder freundliche Rastplätze wo es mal Kuchen, mal Obst mal Wassermelone und immer etwas zu trinken gibt. Die Strecke ist gut markiert, es gibt auch eine exakte Streckenbechreibung und man kann auch die Streckenkarten im Internet herunterladen. Toll organisiert das Ganze!

So ca. 10 vor 6 Uhr kommen wir dann erst mal wieder in der Schule an. Wir sind also ca. 12 Stunden für die 64 km unterwegs gewesen. Am Anfang waren wir so mit ca. 6,6km/h dann später nur noch etwas über 6km/h. Noch immer aber ohne besondere Beschwerden.

Jörn möchte dann aber eine längere Pause von 1,5h machen, was mir dann doch zu lang ist. Ich fürchte dann doch müde zu werden. Ich esse gemütlich, ziehe mich für die Nacht um und wasche mich. Gegen 18:40 starte ich dann auf die Abend und Nachtroute. Die schnellen Profis waren kurz vor 18 Uhr alle schon ganz unruhig um schnell wieder loszukommen. Allerdings lagen wir auch recht gut im Feld so am Ende des ersten Viertels ungefähr als 20e von über 80 gestarteten Wanderern.

Am Anfang geht es dann landschaftlich recht schön über weite Felder. Dann wird es langsam dunkel und auch öder. Die Strecken immer sehr viel gerade aus. Die Füße fangen an sich zu beschweren. Erst vorn dann auch hinten an der Hacke. Das ist ungünstig da ich mich so weder vernünftig abdrücken kann noch mit der Hacke kräftig aussetzen kann. Die Schritte werden also kürzer, die Nacht dunkeler. An der Raststellen treffe ich immer mal wieder ein paar Wanderkollegen, ich beschließe aber einfach mal in meinem Tempo weiter zu gehen.

Wie es so ist bis 80 km geht alles noch ganz gut aber es wird beschwerlicher. Im Hinterkopf habe ich immer mal wieder Nijmegen-Rotterdam, was 160km bedeutet mit mindestens 6km/h. Die Veranstaltung hier soll Trainingsvorbereitung dafür sein. Der Kopf fragt sich: Jetzt noch mal doppelt so viel, geht das. Erst noch ganz zuversichtlich ärgen mich die Füße dann doch immer mehr. Der Schritt wird langsamer. Ich versuche einen Laufschritt, probiere Variationen aus. Mal geht es etwas besser, mal nervt es. Immer wieder ertappe ich mich bei kleinen Übersprungshandlungen. Ob der Schuh zu eng gebunden ist, der drückt doch. Aufmachen, lose zumachen. Weitergehen. Nein jetzt schlappt er. Anhalten. wieder etwas fester zumachen. Weitergehen. Aua. Na ja, was solls weiter. Usw.

Die Öde der nächtlichen Strecke steigert sich genau mit den Schmerzen und der Distanz. Jetzt geht es an einer Autobahn hinter der Schallschutzmauer entlang. dann über ewig lange gerade Radwege. Plötzlich nähern sich schneller Schritte. Drei Wanderprofis, die bei den ersten Rasten schon mit Bierflaschen in der Hand von mir fotografiert wurden und die tolle große Zahlen auf den T-shirts stehen haben zeigen jetzt dem "Strongwalker" mal was ne Harke ist. Ich ziehe trotz Schmerzen ca. einen km im gefühlten Supertempo mit (Wahrscheinlich waren das gerade mal 7km/h) Dann kommt die vorletzte Rast und ich bin völlig durchgeschwitzt. Ich lasse Sie in der Nacht verschwinden und ziehe meinen Trott weiter durch. Rast 12 ist bei 92,8 km. Dort gibt es noch ein paar Gummibärchen und um 1 Uhr in der Früh starte ich für die letzten 6,2 km (der Marsch ist nur 98,9 km lang durch kurzzeitiges verlaufen bin ich dann aber schon auf 100km gekommen) Mein Ziel: Den 6er Schnitt musst du drauf haben für Nijmegen Rotterdam. Also auf die Zähne gebissen.

Es geht durch einen dunkelen Wald und dann kommt die letzte lange lange Umgehungsstraße. Eigentlich nur noch ca. 3 km lang, aber die wollen nicht enden. Wann kommt endlich dies verdammte Schule? Ich mache ein Bild am Ortseingang, wirklich frisch sehe ich nicht mehr aus. Dann sind es noch 3 Minuten bis 2 Uhr? Ist das dahinten die Kreuzung? Ich beginne zu traben. Nein, verdammt das ist es noch nicht. 2 Uhr ist durch. Weiter, weiter....aber dahinten. Ja, dahinten ist es. Jetzt kann ich mich entspannen. Ich gehe sogar noch ein paar Schritte bis an die Bushaltestelle um zu gucken wann ich am nächsten Tag wieder weg komme. Dann geht es in die Schule. Einige der schnellen Wanderer sitzen schon oder noch beim Bier und applaudieren. Das kommt wirklich gut. Ich bekomme meine Urkunde und bestelle erst mal ein Bier. Bis so gegen 2 Uhr dauert es dann noch bis ich nach Bier und duschen in den Schlafsack krieche.

Immer wenn ich gerade halbwegs eingeschlafen bin kommt wieder ein Wanderer im Schlafraum an, Licht, geklapper....nicht gerade Luxus diese Nacht. Die Beine hatte ich noch mit Franzbranntwein eingerieben. Nach der Anstrengung brennt das ziemlich aber ich bilde mir halt ein es wäre gut für die Muskeln.

So gegen halb fünf schnarcht dann einer der Kollegen so laut das wirklich alle wach werden. Na gut, war eben nicht viel mit schlafen. Dafür gibt es dann noch später ein schöne dänisches Frühstück mit allem was das Herz so begehrt. Netterweise werde ich auch noch bis zur Vorortbahn gefahren. Dann geht es nach Kopenhagen.

Von halb 10 Uhr Morgens bis um 15:30 habe ich jetzt Zeit für einen heißen Tag in der Stadt. Die Beine sind dann doch recht schwer. Also den Rucksack eingeschlossen, und in die Stadt geschlurft. Eine Bootsfahrt ist erstaunlicher Weise recht günstig zu haben und man muss nichts machen auf so einem Boot. Also schippere ich durch Kanäle und Hafen, trinke dabei Cafe und Jogourt. Dann lasse ich mich weiter treiben, decke mich bei Aldi mit Bananen und Drinks ein und finden einen schönen Park mit vielen schönen schattenspendenden Bäumen und schönen Däninen. Das gefällt mir und ich vertrödele dort einfach den Nachmittag bis mich der Zug wieder nach Hamburg bringt.

Kommentare:

Phönix hat gesagt…

Schon in LA gesehen (das Video) und gut gegrinst. :D Da hat Du Dich ja mal wieder gut durchgebissen. Glückwunsch!

Georg hat gesagt…

Hallo Martin,

das ist ja eine ganz schöne Herausforderung, nach 64 Kilometern am Ziel zu sein und sich dann noch mal für ne Nachtwanderung zu motivieren. Klasse Leistung!

Ist jetzt tatsächlich 100er-Pause bis Hamburg???

Bis bald
Georg

nordlaeufer hat gesagt…

auch von mir herzlichen Glückwunsch! Schöner Bericht!

Viele Grüße
Ralf

Andreas hat gesagt…

Klasse Martin. Klasse Eindrücke. Alles Gute Richtung 160 km. Die packts du!
Gruß Andreas
(vielleicht ein Wiedersehen in Fulda 08?)