Dienstag, 27. Mai 2008

100km wandern rustikal – Horizontale in Jena 2008




Wandern rund um Jena ist etwas anderes als viele andere 100km Wanderungen die ich kenne. Hier ist nicht alles perfekt was Ausschilderung und Anzahl der Verpflegungsstellen angeht. Aber die Organisatoren sind sehr engagiert und bemüht. Es ist halt nach meinem Empfinden nur eben hart an der Grenze mit so wenigen Leuten eine so große Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Aber wer sich vorher informiert weiß ja worauf man sich einlässt und darf sich dann später nicht beschweren.

Im letzten Jahr war ich zum ersten Mal in Jena dabei. Zusammen mit den Wanderkumpels Kurt und Roland waren wir beim letzten Mal schon noch 17 Stunden im Ziel. Dieses Mal wollten wir es etwas gemütlicher angehen. Mit Kurt hatte ich drei Wochen vorher bei der 7-seen Wanderung südlich von Leipzig erlebt wir klasse so ein gemütlicher hunderter mit vielen schönen Pausen sein kann, auch wenn man zügig unterwegs wandert. So sollte auch unser Motto sein. Frisch fromm fröhlich frei hinaus. Am Anfang auf keinen Fall hetzen, Aussichtstürme werden auch bestiegen, und wenn es zum Frühschoppen ein Weizen gibt wird das auch integriert.

Um 18 Uhr fing der Marsch pünktlich mit dem Regen an. Wie im letzten Jahr erst mal hoch auf die Horizontale irgendwo im Mittelfeld. Der Regen war nicht weiter schlimm nur das Laufen erleichterte es oben dann nicht gerade. Die Wege, die ja einige fiese Wurzeln für den Wanderer in der Nacht parat halten wurden matschig und schlammig. Ständig musste man gerade am Anfang gut aufpassen nicht irgendwo auszurutschen oder umzuknicken.

Lange Zeit ging es auf dem ersten Abschnitt dann im Gänsemarsch. Mal war das geplaudert und Geplapper der Mitwanderer ganz interessant, mal war es einfach nur erstaunlich worüber und wie ausgiebig sich Frauen so alles unterhalten können. Aber selber sind wir auch keine Schweigemönche, nur fangen wir erst später mit dem plaudern an, wenn die anderen so schweigsam werden. Aber davon später.

Bis zur ersten Verpflegung nach über 20 km vergingen über 4 Stunden. Eine recht lange Zeit. Wohl dem der gut gefuttert hatte oder ein paar Riegel mithat. Wir wussten ja schon vom letzten Jahr das es nur wenige Stationen gibt und diese mit rustikaler Jenakost (Schokolade, Wurst und trocken Brötchen) bestückt sind. Nein halt es gibt dazu noch einen Riegel und einen Apfel. Zum Zeitpunkt der ersten Rast war es dann aber auch schon dunkel. Die Sitzplätze knapp und draußen beim Rumsitzen dann schnell auch ungemütlich. Also so lange es noch Spaß machte Pause gemacht, Wurst gefuttert weil das nun mal dazu gehört, und dann weiter auf die Strecke. Auch bis zur nächsten Station, wieder draußen und mit wenigen Bänken war es recht weit. Aber das wussten wir ja auch schon vorher.

Der Morgen war dann schön. Langsam kam die Helligkeit zurück, es war etwas nebelig. Es war interessant die Strecke jetzt mal aus der anderen Richtung zu laufen. Manches erkannten wir gleich wieder und es vielen uns die Begegnungen am Wegesrand vom letzten Mal ein, andere Stellen kamen uns völlig unbekannt vor. Wir hielten uns wie schon im Vorjahr möglichst immer halbwegs in Sichtweite von anderen Wanderern auf. Unser Tempo war recht konstant und wie im Vorjahr holten wir trotzdem mit der Zeit viele Wandersleute ein die etwas nassforsch und zu schnell diese lange Strecke angegangen waren. Niederträchtiger Weise ließen wir uns unsere gute Laune beim Überholen mit flotten Sprüchen, fröhlichem Pfeifen oder singen auch anmerken.

Was mir bei der Horizontale wirklich fehlt ist mal ein netter heißer Kaffee am Morgen und zwar irgendwo drin. Kurz vor Kunitz war es so weit. Nur einen Km vor der 70km Verpflegungsstation erblickte mein Wandereradlerauge einen „Werksverkauf“ auf der rechten Seite wo es Milchcafe, Kuchen und sanitäre Anlagen gab. Auch wenn sich die Verkäuferinnen alle deutlich weniger für uns begeistern konnten als wir für ihren Laden war das absolut Spitze. Es schmeckte vorzüglich, dazu das Gefühl dieses Highlight gefunden zu haben. Dann noch im Klo die.Füße gewaschen und die Socken gewechselt. Trotzdem nahmen wir dann gern auch noch den offiziellen Verpflegungspunkt mit und futterten noch ein paar Nutellabrote. Aber den Kaffee konnte uns keiner mehr nehmen.

Dann ging es weiter zum nächsten Höhepunkt der Tour der auch zugleich der Höchste der Tour ist wenn ich mich nicht irre. Man hatte uns versichert dass es am Fuchsturm eine Kneipe mit Weizenbier gäbe. Also nichts wie hoch den Berg. Seit geraumer Zeit wurden wir übrigens schon von einem neuen Helden dem Studenten Robert begleitet. Es meinten wir er sei schneller als wir. Immer wieder lief er wie ein übermütiges Hündchen vor uns her und guckte uns alte Herren fragend an. Am Ende passte das Tempo aber dann doch…

Also steil hinauf zum Fuchsturm und dann rauf zur selbsternannten Kontrollstelle auf den Turm selber. Das hatten Kurt und ich schon beim 7-seen Wandern so gehalten und so soll es sein: Türme werden bestiegen wenn es geht. Wieder unten angekommen schickten wir noch ein paar Wanderer hinauf zur unangekündigten Kontrolle auf den Turm was zwei dann auch tatsächlich machten. Unser Weizen war inzwischen gezapft und es schmeckte wunderbar, verzischte förmlich auf der Zunge.

Aber nicht zu lange rasten denn nach einem Weizen sollte dann auch Schluss dein sonst sinkt die Motivation. Geht man gleich wieder los, steigt sie hingegen. Alles geht jetzt etwas leichter und beschwingter. Als man uns dann an der vorletzten Station erzählte wie sein etwas 190e dachten wir: Och das hört sich irgendwie doof an. Also legten wir mal den Hebel um und beschleunigten etwas. Kurt und ich mit unseren langen Beinen im straffen Walkingstyle und Roland und Robert mit den kurzen Beinen im Laufschritt. Gar lustig waren die verblüfften Gesichter der Wanderer an denen wir nun vorbeizogen. Irgendwie muss das recht witzig ausgesehen haben so zu viert fröhlich schnatternd und singend auf dem Weg ins Ziel Das waren immerhin noch ca. 15km. Wir hatten aber noch die zweite Luft und viel Spaß auf dieser Strecke. Am Steinkreuz dann noch einen kleine Blödel und Flirtpause mit Gel und Snack für den Endspurt. Und ab ging es den Berg hinunter. Im letzten Jahr fiel uns diese Strecke deutlich schwerer. Robert ließ sich etwas mehr Zeit auf diesen letzten Kilometern dass sein Knie jetzt etwas muckte.

So kamen wir dann wie im Vorjahr als fröhliches Heldentrio im Ziel an. Robert war auch ein paar Minuten und noch unter 20 Stunden im Ziel. Seine Zeit vom Vorjahr hatte er damit verbessert und gezeigt dass er, im Gegensatz zu seinen Mitwanderern die Ihn vorher auf der Strecke einfach alleine ließen, kein Weichei ist. Gut gemacht Robert! Weiter so.

Sehr schön war dann ein Schlücken Bier das man im Ziel kriegen konnte und eine schöne Massage von Mr. Samtpfötchen. Ein wenig hingen wir noch so im Zielbereich rum und ich machte noch etwas Werbung für meinen selbst organisierten 100er Ende August in Hamburg (http://www.hamburger-hunderter.blogspot.com/)

Den Nachmittag verbrachten wir dann mit viel Eis, Cafe, Bier und gutem Essen in Jena, aber so gegen 21 Uhr machen wir in unserem Quartier die Äuglein zu und schliefen tief und fest ein.

Nach zwei Mal auf der Horizontale hatten Kurt und ich jetzt das Gefühl das es nun auch erst mal mit Jena reicht. Es gibt ja auch sooooo viele andere schöne Veranstaltungen. Im Mai wird im nächsten Jahr wohl erst noch einmal die 7 Seen Wanderung anstehen und Ende Mai lockt ja in Konkurrenz zu Jena auch immer der sehr schöne Hollenmarsch im Sauerland. Es gibt viel zu laufen und es ist einfach schön das auch zu tun. Danke an die Organisatoren für diesen Marsch auch wenn ich ein paar kritischen Anmerkungen mit eingebaut habe. Aber das ist eben auch typisch für Jena und die Besonderheit dieser Veranstaltung. Das die landschaftliche Schönheit dieses Weges unübertroffen und auch was ganz besonderes ist habe ich gar nicht extra betont. Sollte ich an dieser Stelle aber noch tun. Also: Jena ist schon eine Reise wert und mit dem Zug ist man ja auch schnell im Paradies, egal ob aus Hamburg, Berlin oder München kommend.

Kommentare:

EDDI hat gesagt…

suuuupi,

eines Tages werde auch ich mal nen 100er packen.

Nur wann und welchen?

Ich denke, einen erfahrenen Führer habe ich ja an meiner Seite ;-)

Gruß und bis bald
EDDI

Georg hat gesagt…

Und noch einmal Glückwunsch zum gefinishten Hunderter. Mir ist so, als schriebe ich so etwas fast jede Woche in deinen Blog... ;-)

Da bist du ja für Dänemark jetzt bestens vorbereitet...

Gruß
Georg

Lizzy hat gesagt…

das ist schon der helle Wahnsinn, was du dir (und auch Kurt sich) so zusammenwalkst *alle Achtung*!

und schon der letztjährige horizontale Bericht hat mir Lust auf die Veranstaltung gemacht - der in diesem Jahr wieder. Liest sich wirklich schön! aber 100 (in Worten: HUNDERT! *ächz*) Kilometer ... neeneenee ... irgendwie is mir des doch zuviel vom Guten ...

Aber ich find' das trotzdem schon toll!

Erich M./Mike Streak hat gesagt…

Hallo Martin

Danke für Deinen Bericht, warum Kritik ? Jena ist ok, so sollte überall gelaufen werden ...
Jena ist das Vorbild ...
Ca. Zeiten, ca. Km, Selbstversorger ...
Startgeld mit sehr gutem Preis/Leistungs Verhältnis, kein bezahltes Laufen/Marschieren ...
Ermäßigung für Harz IV Empfänger ...
Ich beneide Euch um so tolle Märsche/Läufe, wir hatten das 1980 auch in Österreich ...
In Österreich, Europa weit hat längst die Geldgier Alles Kaputt gemacht ...

Liebe Grüsse und
weiter viel Erfolg
Erich M./Mike Streak
http://www.mikesdesign.at/